| Allgemeine Informationen Western-Tibet Highway, Kashgar-Lhasa: Roadtable Kashgar - Ali (PDF-File) Roadtable Ali - Lhasa (PDF-File)
Allgemeines: Tja, was soll man schreiben, dies ist sicherlich eine der abenteuerlichsten Strecken, die man mit dem Fahrrad so bewältigen kann. Mit dem Vorteil, dass die Nachschubsituation an Verpflegung eigentlich ziemlich gut ist, wenn man seine Ansprüche gewaltig zurückschraubt und auf Nudelsuppen steht. Dennoch, ohne eine gewisse Vorbereitung soll und wird sich wohl niemand auf die Strecke wagen. Man kann die Strecken in verschiedene Etappen aufteilen. Zuerst die Taklamakan-Wüste an deren Rand man entlangradelt. Hier gibt es noch genügend Siedlungen in nicht allzu großen Abständen. Dies geht so bis zum ersten Paß, dem Kudi La. Danach gelangt man in die endlos weiten Hochgebirgswüsten von Xinjiang. Die Abständen zwischen den Truckstops und Armee-Stationen (mehr gibt es nicht) werden zusehends größer. Man muss die Etappen im voraus planen und jeweils genügend Lebensmittel einpacken. Auf Wasser sollte man achten, man kommt jedoch mindestens einmal am Tag an einer Quelle, einem Bach oder See vorbei (dies gilt für die ganze Strecke). Höhepunkt sicherlich das Aksai-Chin-Plateau. Hier bewegt man sich durchgehend auf über 5000m. Höhenkrank darf man hier nicht werden, sonst wird man in arge Probleme geraten. Die Landschaft ist atemberaubend spektakulär, im wahrsten Sinn des Wortes, nirgends fühlt man sich dem Himmel so nah. Man gelangt nach Tibet, die Versorgungslage wird besser. Aber man wird bis Ali auf die schlechtesten Pisten und höchsten Pässe auf der Strecke treffen. Und schlecht bedeutet hier wirklich grauenhaft schlecht! In Ali hat man das erste große Ziel geschafft und sich die Dusche wohlverdient! All die landschaftlichen und kulturellen Highlights Westtibets sind nun in Reichweite. Guge ist zwar durch zwei sehr hohe Pässe von der Hauptpiste getrennt, aber hier sollte keiner vorbeiradeln! Das Königreich Guge ist landschaftlich DAS HIGHLIGHT in ganz Tibet, da wird niemand enttäuscht sein. Kailash, Manasarovar, die Himalayakette und tibetische Kultur entschädigen reichlich für die Strapazen. Man nähert sich unaufhaltsam wieder der Zivilisation. Der Weg bis dahin ist aber durchaus anstrengend. Man erreicht den Friendship Highway und im Vergleich zu dem was hinter einem liegt, ist das Urlaub bis Lhasa. Visa + Permit: Hier hat sich einiges zum Positiven verändert. Vorbei die Zeiten, da man ständig vor dem PSB auf der Flucht war und Nachtetappen um die Checkpoints einlegen mußte. Letztere gibt es immer noch, aber es wird nur die Passnummer registriert. Das alles kann sich aber je nach aktueller Situation in der Region sehr schnell ändern. Im Jahr 2005 war die Lage jedenfalls sehr entspannt und man mußte sich keine Sorgen machen, vom PSB oder der Armee aufgelesen und ausgewiesen zu werden. Streng genommen ist man nämlich von der Grenze Tibets bis nach Ali illegal unterwegs. Es bräuchte eigentlich ein sogenanntes ATP (Alien Travel Permit) für spezielle Regionen Chinas und Westtibet gehört dazu. Das bekommt man aber erst in Ali oder wenn man sich vorab einer Reisegruppe anschließt, aber das will man ja nicht. In Ali wird so ein Permit jedoch ohne Probleme ausgestellt, es kostete im Jahr 2005 350 Yuan. 50 Yuan davon sind die Strafe für illegales Eindringen in Tibet. Unser einziges Problem hatten wir bei einem Checkpoint gleich nach Saga, unser ATP aus Ali war bereits wieder abgelaufen und wir durften nur weiterfahren, nachdem wir versichert hatten, uns in Shigatse ein neues zu holen. Umgekehrt, also von Lhasa kommend, wird man hier ein echtes Problem haben. ATP's für Westtibet und da gehört Saga dazu, bekommt man in Shigatse nicht. Also sollte man sich überlegen, die Sache irgendwie zu umgehen, z.B. mit dem Shortcut vom Friendship-Highway an der Sisha Pangma vorbei nach Saga. Die Fähre über den Tsangpo legt nämlich hinter dem Checkpoint an! In den Provinzen von Shigatse und Lhasa kommt man auch ohne ATP durch, bzw. es ist gar keine nötiges. In der Everest Region kann dies unter Umständen jedoch anders aussehen. Visa-Verlängerungen sind in der Tibetan Autonomous Region (TAR) immer noch ein Problem, wenn dann gibt es nur eine Woche oder so, also gerade genug Zeit um zu verschwinden. Man sollte also vor Betreten der TAR dafür sorgen, ein ausreichend lange gültiges Visa zu besitzen. Geld: Unterwegs braucht man nicht soviel. Wir sind mit 5000 Yuan in der Tasche von Kashgar gestartet. Mit Kreditkarte bekommt man Nachschub (teilweise ATP's) in Kashgar, den großen Städten an der Taklamakan, Ali, Saga, Lhatse, Shigatse und natürlich Lhasa jeweils bei der Bank of China. Verpflegung: Funktioniert besser als wir dachten. Nudelsuppen und Kekse bekommt man an jedem Truckstop und hin und wieder auch noch ein Schmankerl. Dafür entwickelt man relativ schnell ein Gespür! Mit Luxus-Artikel wie Schokoriegel, Teebeutel, Müsli oder Trockenobst sollte man sich in Kashgar bis Rutok, bzw. Ali eindecken. Ab Ali gehts dann kulinarisch aufwärts! Der größte Abstand zwischen zwei Läden waren mal vier Tage. Reisezeit: Ich war zwar bisher nur im Herbst in Tibet, aber nach allem was ich so gehört habe ist das die perfekte Jahreszeit. Winter ist definitiv zu kalt zum radeln. Im Frühjahr sind die Straßen noch schlammig, im Sommer schwappt der Monsun doch öfters mal ziemlich heftig über dem Himalaya. Bleibt der Herbst, also Mitte September bis Anfang November. Wochenlang sonniges Wetter, trockene Straßen, niedrige Wasserstände in den Flüßen und noch nicht allzu kalt. Was will man mehr? Im November wird es dann sehr schnell sehr kalt und die Pässe sind eingeschneit, wie wir feststellen mußten. Nur im Frühjahr sind all die Pilger am Kailash unterwegs, im Herbst sieht man da eher weniger. Ausrüstung: Das die Sache nur mit Zelt machbar ist, dürfte hoffentlich jedem klar sein, der sich ernsthaft für die Tour interessiert. Ansonsten sollte man von -10° bis +30° ausgestattet sein. Windschutz ist sehr wichtig, also lieber dünnere Jacken, dafür aber absolut winddicht. Wasser ist mit Giardia verseucht, also desinfizieren und / oder abkochen. Ansonsten mal die Ausrüstungsliste checken und sich inspirieren lassen ... Darchen und Kailash-Kora: Die Hügel hinter Darchen eignen sich hervorragend als Nachmittagstour und das sind immerhin stolze 5000er fürs Tourenbuch ... ;-) Die Aussicht ist jedenfalls nicht von dieser Welt. Wenn man schon mal oben ist, kann man gleich zu den nahen Klöstern weitergehen und hat damit meiner Meinung nach die schönste Runde am Kailash gedreht und das alles an einem Nachmittag. Höchster Punkt "Darchen Ri": N 31.00113° E 81.27418° 5146m Wenn man aber schon mal hier ist, wird man auch die Kora machen wollen. Es geht im Uhrzeigersinn um den Kailash. Der Weg ist eigentlich nicht zu verfehlen und deutlich mit Gebetsfahnen, Stupas, Manimauern, Klostern und Pilgern gekennzeichnet. Die etwas mehr als 50km schafft man gemütlich in 2.5 Tagen. Man kann zelten oder in den Klöstern, von denen es drei auf der Kora gibt, übernachten. Speziell der Abstand zwischen zweitem und drittem Kloster ist sehr groß und es liegt der hohe Drölma La dazwischen. Dira Puk (2. Kloster): N 31.10451° E 81.31713° 5043m Drölma La: N 31.09515° E 81.36977° 5655m Unser Camp zw. Pass und 3. Kloster: N 31.04767° E 81.37791° 5029m Karten: Die Tibet-Karte vom Reise-Know-How Verlag ist wirklich hervorragend (Maßstab 1:1 500 000). Ansonsten die Himalaya-Karte von Nelles-Maps. Dürftig, aber brauchbar. |
So ging sie nun also los, unsere grosse Tour quer durch Xinjiang und Westtibet! Der Anfang ist leicht, geteert und flach. Immer am Rande der Takla-Makan-Wueste entlang. Wobei man davon am Anfang nicht viel merkt, es wird viel bewaessert und Ackerbau betrieben. Bedeutete fuer uns, glaenzende Lage an der Verpflegungsfront! Zumal Herbst und damit reifes Obst ueberall.
Die Eingangspruefung stand an, sich langsam steigernde Paesse ueber die KunLun-Berge.
Die Landschaft speziell um Kudi war atemberaubend schoen! Wir fuhren durch tiefe Schluchten, um
uns rum steile Granitwaende und die positive Ueberraschung alles auf frisch geteerter Strasse.
Am naechsten Pass, dem Chiragsaldi La, sollte sich das alles aendern. Die Chinesen bauten mal
wieder, die Piste frisch geschottert und damit, weil ziemlich grobe Steine, fuer uns schwer zu
radeln. Zum Glueck besserte sich das bald wieder. Wir trafen zwei Deutsche, die mit Jeep samt
Fahrer unterwegs waren.
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Noch Xiadulla wartete zur Abwechslung mal wieder ein Pass auf uns, der Kangxiwar La. Mit 4287m
aber ein kleiner. Das gleichnamige Dorf dazu liegt in Ruinen. Wir radelten nun laengs der
Kunlun-Berge. Die Gegend ist merklich trockener. Eine Hochgebirgswueste. Dazu Gletscherberge im
Kontrast -> Picture-Time!
Aber danach wird die Piste so richtig zerfahren. Unsere Fahrraeder vollfuehrten regelrechte
Bockspruenge und keine Moeglichkeit zum Ausweichen. Es geht durch ein Tal, in dem Seen Salzkrusten
zurueckgelassen haben. Leider koennen wir die Sache nicht richtig wuerdigen, da uns ein Gewitter
regelrecht ueberfaellt und ich mir im Regen einen weiteren Platten einheimse. Als dann abends
auch noch der Benzinkocher den Dienst quittiert, weiss ich, dass der 13. September ist!
Der letzte Tag nach Ali brachte dann zur Abwechslung mal wieder strahlend schoenen Sonnenschein
am Morgen. Nachmittags sah die Sache anders aus, wir kaempften uns durch einen Sturm nach Ali.
Die Piste war sandig ohne Ende und so waren wir doch froh, als Ali endlich hinter einem Huegel
auftauchte. Die Stadt wirkt wirklich wie eine Fata Morgana in der Wueste.
Von Namru geht die Abzweigung nach Zanda Richtung Sueden weg. Es warteten zwei 5000er-Paesse,
aber auf relativ guter Piste mit vielen flachen Serpentinen. Aber 5400m (Ayi La) muessen auch
erstmal gestrampelt werden. Dank Schnee und Matsch auch fuer den akklimatisierten Radler etwas
anstrengend. Danach hat man gewonnen. Es geht nur noch bergab und die Landschaft steigert sich
mit jedem Meter. Unser Zeltplatz gestern z.B., man stelle sich Canyonlands mit dem Himalaya
dahinter vor. Aber das ist erst der Anfang, wenn von der naechsten Etappe mehr Leute wuessten,
waere das hier eine Pilgerstaette fuer MTB-Freaks. Vorher am besten aber beim Tibeter noch mal mit
Buttertee literweise staerken. Einmal nippen, schon wird nachgefuellt. Das gibt Kraft! Man rollert
in einen Canyon und ab dann gehts im gemuetlichen Tempo bergab durch eine Landschaft wie im
Wild-West-Film. Links und rechts tuermen sich bizarre Felsformationen. Jede Kurve ein Erlebnis
und neue Aussichten. Eigentlich ist man hier mit dem Fahrrad noch zu schnell, man muesste zu
Fuss gehen mit 20 Filmrollen in der Tasche. Nach 40km im Wunderland weitet sich das Tal. Vor
einem, wie eine Oase mit Baeumen, Zanda. Aber der Weg dahin ist noch weit, v.a. da der direkte
Weg durch den Sutlej-River versperrt wird und die Bruecke darueber in der Mitte ein Loch hat.
Was man natuerlich erst sieht, wenn man davor steht und danach durch Dornen (...) den Rueckweg
antreten muss. Weiter oben findet sich dann doch eine Bruecke.
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In des Koenigs Sommerpalast hoch oben am Berg gibt es einen Balkon. Von dort pflegte er ueber sein
Reich zu schauen: Fantasien! Leihweise durfte ich heute mal auf dem Klappstuhl Platz nehmen.
Von Guge wieder zurueck auf den Haupthighway zu radeln war dann weniger paradiesisch. Zwar traten
wir noch in Verhandlungen mit dem nepalesischen Guide einer Reisegruppe uns im Begleitlaster
mitzunehmen, aber der tibetische Fahrer weigerte sich aufgrund eines Checkpoints hinter Zanda.
So waren wir quasi zur "Ehrlichkeit" gezwungen ... ;-)
Von Misar folgte einer der schoensten Etappen dieser Reise. Bestes Wetter und der Himalaya immer
in Sichtweite. Nanda Devi und Kamet moegen darunter gewesen sein, aber bei dem Gipfelmeer am
Horizont ... nix genaues weiss man ned. Der Kailash ist dann allerdings doch nicht zu uebersehen,
steil und unnahbar ragt er ueber seine Trabanten hinaus. Zur anderen Seite praesentierte sich die
Gurla Mandata, ein hoher 7000er. Zwischen den Bergen eingebettet eine weite Ebene mit zwei
tuerkisblauen Seen, Raksas Tal und Manasarovar. Da wusste man gar nicht wo man hinschauen sollte!
Hab mich dann aufgrund der Besteigbarkeit fuer die Gurla Mandata entschieden und schon mal die
beste Route ausgecheckt ... ;-)
Bevor wir uns an die Umrundung wagten, erklommen wir eine Huegelkette hinter Darchen. Alles
5000er, die aber wie grasige Voralpenbuckel aussehen. Die Sicht von dort oben ist allerdings der
Wahnsinn. Die eindrucksvolle Suedseite des Kailashs direkt vor der Nase und ueber die Ebene
Gurla Mandata, Raksas Tal und die hoechsten Berge des indischen Himalayas. Wir bastelten unsere
eigene kleine Kora, in dem wir den Rueckweg ueber zwei Kloester abseits der Hauptpilgerroute
antraten. Im Nachhinein war das unser persoenliches Highlight am Kailash.
Nach Kailash und Manasarovar stand uns eine neue lange Ueberland-Strecke durch die tibetische
Wildnis bevor. Dementsprechend war auch die Piste, schlecht!
Ein grosses Problem sind hier die vielen halbwilden Hunde. Versuchte eine Ziege vor einem Rudel
dieser Koeter zu retten, aber die Goas hatte wohl Selbstmordgedanken. Kaum ich die Dreckskoeter
verscheucht, lief es wieder genau in ihre Faenge. Dass die Tibeter nicht schon laengst den
Koetern den Garaus gemacht haben?
Fuer die Dorfjugend sind wir immer noch die Sensation, versammelt sich meist komplett, wenn wir
einen Stopp wagen. Aber hier sind sie wieder fotoscheu, Zuecken der Kamera reicht und der Weg
ist frei.
Nach Saga wurde es unverhofft ernst in Sachen Checkpoint. Wir radelten relativ unbekuemmert drauf
zu. Leider war ein Jungspund grad im Dienst, der nicht wusste, was er mit zwei Langnasen auf
Fahrraedern anzufangen hat. Unsere nicht mal fuer die Region Shigatse gueltigen "Alien Travel
Permits" waren schon laengst abgelaufen und so wurden ein paar ranghoehere Soldaten aus dem Bett
geholt. Die telefonierten und fuellten ein Formular nach dem anderen aus. So verging die Zeit und
uns wurde dann doch etwas unwohl, bis schliesslich nach einer Stunde auch noch der PSB mit zwei
Beamten vorfuhr. Die entliesen uns dann nur mit der Auflage wieder auf die Piste, dass wir uns in
Shigatse bei der Polizei Station ein weiteres ATP besorgen. Klar, machen wir ... ;-)
Vor einem Pass, den Sangsang La, kamen uns sehr viele Nomaden entgegen, die gerade ins
Winterquartier wechselten. Tausende von Yaks und Schafen, ein regelrechter Almabtrieb und bunte,
exotische Eindruecke fuer uns!
Die letzte Etappe zum Friendship-Highway stand an. Bei Kilometermarker 2140 verliesen wir
schliesslich diesen Feldweg namens G219, auch Xinjiang-Tibet-Highway genannt, der durch eine der
wildesten und wirklich abseits gelegenen Landstriche dieser Welt fuehrt. Aber wunderschoen ist
dieser Teil der Welt auch, kein Wunder dass dann doch so viele Leute die Strapazen auf sich
nehmen. Nur das Attribut "hoechste Strasse der Welt" waere dann doch zu wenig.
Bei der Fahrt aus Lhatse raus traute ich meinen Augen kaum, ob des Highways, der gerade durch die
Landschaft gezimmert wird. Alles in Handarbeit versteht sich! Billige Arbeitskraefte gibts ja in
China genug. Die idyllischen tibetischen Doerfer links und rechts der Strasse gibt es aber immer
noch, wenn auch manches sich jetzt mit einem chinesischen Betonklotz schmueckt. Naechstes Jahr ist
alles geteert, dieses Jahr radelten wir noch in einer einzigen Staubwolke. Strassenarbeiter sind
auch gleich auf der ganzen Welt. Beinahe jeder schrie uns irgendwas zu und wehe man antwortete
nicht. Und wehe man blieb stehen, Hand auf, Money, Money ... Da die neue Strasse erhoeht und mit
tiefen Graeben eingefasst ist, hatten wir abends doch tatsaechlich ein Problem von der Piste
runterzukommen und unser Zelt aufzustellen.
In Shigatse ist natuerlich der Tashilhunpo, Kloster und eigentlicher Sitz des Panchen Lama,
Plichtprogramm. Da der Panchen Lama von jeher in den Faengen der Chinesen ist, blieb die Anlage
waehrend der Kulturrevolution unzerstoert. Dementsprechend fantastisch sind die einzelnen Tempel
dann auch. Riesige Buddha-Statuen, vergoldete Stupas von verstorbenen Lamas und mein Favorit der
Kelsang-Tempel mit seinem grossen Innenhof. Hier kamen wir ins Gespraech mit einem der Moenche und
Betty gab kurzerhand Englisch-Unterricht fuer den Klosternachwuchs. Das war fuer einige Chinesen
wiederum so spannend, dass es nun wiederum 20 Fotos mehr von uns gibt. Aber inzwischen sind wir
es gewohnt, immer und ueberall abgelichtet zu werden.
Dann gings wieder auf die Piste, aehh nein, dieses Mal war es sogar eine richtig gute geteerte
Strasse! Dafuer hats halt dann auch mehr Verkehr und der Asiate hupt sehr gerne und faehrt auch
sonst eher verwegen, um es vorsichtig auszudruecken.
Eigentlich ist Lhasa nur eine chinesische Grossstadt. Dennoch hat diese Stadt etwas, wie keine
andere die ich kenne. Laesst man den chinesischen Teil hinter sich und taucht in den tibetischen
ein, so ist dass wie ein Sprung von der Neuzeit ins Mittelalter. Zentraler Ort ist der Jokhang,
ein uraltes Kloster, der Nabelpunkt Tibets. Darum fuehrt der Barkhor, im Uhrzeigersinn zu begehen
und ein magisches Gebrodel aus Pilgern, Strassenverkaeufern und ganz normalen Touris. Man koennte
den ganzen Tag lang einfach nur diesen Strom folgen und die Leute beobachten. Omis drehen
unermuetlich ihre Gebetsmuehlen, Pilger messen mit ihrer Koerperlange die Runde um den Jokhang
aus, rotgewandete Moenche sitzen singend am Rand. Dann gibts da auch so kleine Rotznasen, die
einen foermlich anspringen und um alles moegliche anbetteln. Taschentuch wollen sie nicht,
haetten sie aber am noetigsten.
Besuch des Potalas, Wahrzeichen Lhasas, ist Pflichtprogramm. Der Spruch, aussen Weltwunder der
Architektur, innen Grossmutters Dachkammer, passt immer noch. Alles ist vollgestellt mit
Utensilien, die sich im Laufe der Jahrhunderte halt so ansammeln. Hoehepunkt, die Stupa des
13. Dalai Lamas. Wieviel Tonnen Gold hier verbraten wurden, keine Ahnung, nur leider ist das
ganze so eingekesselt zwischen drei Stockwerken, dass man es nicht so richtig wuerdigen mag.
| Allgemeine Informationen Rund um Lhasa (Nam-Tso, Ganden) Rund um Lhasa gibt es einiges zu entdecken. Nur wenige Kilometer außerhalb der Stadtgrenzen beginnt die tibetische Wildnis und der chinesische Einfluß zeigt sich im Vergleich zur Stadt deutlich geringer. Hier ein Vorschlag, wie man mit dem Fahrrad in rund einer Woche diese Gegend für sich entdecken kann. Wir benützten dabei eine Kombination aus Bus/Fahrrad/Trampen. Die Straßen sind durchweg gut, bis auf ein Stück von Lhunzub nach Medrogonkar. Roadtable Rund um Lhasa (PDF-File) Wir fuhren mit dem Bus bis nach Damshung. Kann man aber auch radeln, ist eine wunderschöne Landschaft und ein Abstecher zum Kloster Tsurphu ließe sich einplanen. Vom Damshung führt eine geteerte Stichstraße zum Nam-Tso. Dort findet man inzwischen leicht eine Unterkunft. Highlight ist natürlich Tashi-Dor. Unsere Variante führte Kyi-Chu-Tal zurück nach Lhasa, dazu muss man von Damshung ein wenig Richtung Yangpachen zurückradeln und dann die nicht befestigte Straße entlang des Flußes finden. Bis Lhunzub ist die Piste gut und die Gegend ist ein wenig die Schnittstelle zwischen Ost- und Westtibet. Man fährt sogar durch kleine Wälder. Von Lhunzub ist ein Abstecher zum Kloster Reting möglich. Ab jetzt wird die Piste etwas ungemütlich und man ist dringend auf ein Zelt angewiesen. Man bleibe auch bis auf weiteres auf der linken Seite des Flußes, auch wenn die Straße jenseits noch so gut aussieht. Irgendwann gelangt man auf die große Straße, die Lhasa mit Sichuan bzw. Yunnan verbindet. Man schlägt den Bogen zurück nach Lhasa über Medrogongkar. Auf dem Weg liegt noch ein Tibet-Highlight, das Kloster Ganden. |
Wir wollten noch ein wenig die Umgebung von Lhasa erkunden, v.a. den Nam-Tso, ein riesiger
Salzsee auf 4700m Hoehe, wollten wir nicht verpassen. Um die Sache abzurunden, hatten wir uns auf
der Tibet-Karte noch eine kleine Nebenstrasse ausgeguckt, die uns zum Kloster Ganden und zurueck
nach Lhasa bringen sollte. Radl-Neuland, behaupte ich jetzt mal grossspurig!
Die Fahrt ging entlang der neu gebauten Eisenbahnstrecke Golmud-Lhasa nach Damshung. Von dieser
Bahn kann man halten was man will, aber vom Erlebnis her, wird das sicherlich einer der tollsten
Strecken ueberhaupt. Fast ein Grund nochmal anzureisen! Bis Damshung faehrt man direkt am
Transhimalaya entlang. Kann man sich vorstellen, wie wenn man von Garmisch auf die Zugspitze
schaut, nur dass das hier halt 7000er sind!
Highlight am Nam-Tso ist eine felsige Halbinsel, Tashi Dor. Der Weg dorthin ist mittlerweile
komplett geteert, zum Glueck fuer uns, sonst haetten wir mit dem Fahrrad keine Chance gehabt.
Streckenweise war alles tief verschneit, aber festgefahren. Die weissen Berge lieferten dann
auch einen fantastischen Hintergrund zum blauen See. Nur kalt war es! Wahrlich arktisch und so
war der Ausflug leider nicht ganz eine Genusstour. Auf der Halbinsel erwischte uns schlechtes
Wetter und so machten wir uns schleunigst auf den Rueckweg. Es fing zu schneien an und das blieb
so die ganze Nacht.
Von Damshung fuhren wir ca. 16km auf dem Golmud-Highway zurueck, dann bog ein Schotterweg in ein
Flusstal ab, einem Zufluss des Lhasa-Rivers. Unsere auf der Karte entdeckte Piste! Das Tal ist
wunderschoen, mit den Nadelbaeumen erinnert es teilweise an die Schweiz. Nur abseits der
Tourihauptpfade gibt es auch mal Orientierungsprobleme. Zwei Wege standen zur Auswahl, links des
Flusses ein etwas breiter Trampelpfad, rechts eine breite Piste mit Kilometersteinen. Klar, da
ignorierten wir auch die Hinweise der Einheimischen und waehlten die Ausbaustrecke. Leider falsch,
nach 18km endet diese in einem Dorf. Sehnsuechtig schauten wir zu anderen Flussseite, nur um
dorthin zu kommen, mussten wir den ganzen Weg zurueck. Nicht mehr an diesem Tag, wir bauten unser
Zelt etwas ausserhalb des Dorfes auf. Als dann in der Nacht ein Mann unser Zelt umrundete und laut
irgendwelches Zeug vor sich hinsagte (hoffentlich keine Beschwoerungsformeln gegen Daemonen!)
ging die Pumpe doch verdammt schnell!
Am Steuer sass ein 14-Jaehriger, der seinen Spass
hatte, wenn wir uns bei jedem Schlagloch Richtung Decke bewegten. Der Wagen vollgestopft mit
Leuten. Bald galt es ein Leck im Getriebe zu flicken (per Holzstueck), dann Wasser nachfuellen,
mit der Bremse stimmte was nicht, nicht zu vergessen Choerten 3x umrunden. Aber durchaus ein
Erlebnis die Fahrt. Vor der naechsten grossen Stadt mussten wir aussteigen, Tibeter duerfen keine
Auslaender mitnehmen und riskieren dabei Fuehrerscheinentzug. Ob das unseren 14-Jaehrigen nun
gestoert haette, entzieht sich meiner Kenntnis.
Nach unserer zweiten Ankunft in Lhasa stand das uebliche Programm nach Rueckkehr in die Zivilisation an, Duschen, Essen, Internet,
Schlafen. Gestern war fuer mich Chilltag, waehrend Betty den Norbulinka, Sommerpalast der Dalai Lamas, erkundete. Souvenir-Shopping
stand auch an und so machte sich heute ein sehr schweres Paket auf den Weg Richtung Heimat.