| Aufgabe: | Umrundung der Torres del Paine. Es stehen euch zehn Tage Zeit zur Verfügung. Torres, Cuernos und Grey-Gletscher müssen bei Sonnenschein fotografiert werden. Zelt, Proviant und sämtliche Ausrüstung müsst ihr selber tragen. Wer Essen nachkauft, bekommt ein "Ungültig" ins Tourenbuch gestempelt. |
27.12.02 Campamento Las Torres |
Gestern hatten wir uns noch Fahrkarten für einen der vielen Busse zum Nationalpark Torres del
Paine gekauft. Man wird frühmorgens direkt von seiner Unterkunft abgeholt. Pech ist nur, wenn
man zu den ersten gehört, die aufgesammelt werden und so zu einer Stadtrundfahrt durch Puerto
Natales kommt. Die Busfahrt geht über 150 km durch die riesige Landschaft Patagoniens. Die Gegend
hier ist sehr karg und windig. Sonne und Wolken wechseln ständig. Am Wegesrand sahen wir öfters
ein paar Guanacos und Nandus.
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28.12.02 Camping Seron |
Frühmorgens kam der Weckruf vom Hias, er spurtet jetzt zu den Torres hoch, weil das Wetter so schön ist. Nacheinander kroch dann der Rest aus den Zelten. Da man hier in Patagonien nie weiß, wie lang die Sonne scheint, verzichteten Betty und ich auf Frühstück und rannten dem Hias hinterher. Und wirklich, die Türme waren schön ausgeleuchtet, aber noch mit ein paar Wölkchen, trotzdem beste Fotobedingungen und so lief der Film durch wie nix. Mit Hias wagte ich dann noch einen Ausflug zur Nachbarmoräne hoch, um einen schönen Blick ins Tal zu erhaschen.
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29.12.02 Camping Dickson |
Das Patagonische Inlandeis bildet auch die Grenze zwischen Chile und Argentinien. Also sitzen hier irgendwo Stunden vom Refugio Dickson entfernt drei Carabineros und erwarten den Einmarsch der Argentinier über das Inlandeis! |
30.12.02 Camping Los Perros |
Schönes Wetter! Es ging weiter über einen kleinen Pass. Im Führer stand, man sollte unbedingt einen Blick zurück werfen und tatsächlich der Lago Dickson breitete sich vor einem aus. Vom Gletscher waren Eisstücke abgebrochen, die nun im See schwammen. Ziel war für heute Camping Los Perros, der Weg dorthin wunderschön durch dichten Urwald. Zwischendurch gab es einen herrlichen Viewpoint mit Blick auf vergletscherte Berge.
Des abends, als alle schon ins Zelt krochen, wagte ich noch mal einen Ausflug zurück zum Gletscher Los Perros. Die Moräne hoch, nicht vom Wind runtergeblasen werden, da am Ende der Moräne Granitplatten, schöne Kletterei, um die Ecke, eine ausgesetzte Rampe, wow, da, regelrecht eine Felsloge über dem Gletscher. Genial, der Eisbruch ist ca. 50 m Luftlinie entfernt, unter mir die Gletscherzunge, in der Weite, das bewaldete Tal, welches wir heute durchwandert haben. Da stellt sich doch ein sattes Gefühl der tiefen Zufriedenheit ein ... Am Rückweg konnte ich gleich das Ziel für morgen ausmachen, eine kleine Schneekuppe am Paso John Garner. |
31.12.02 Camping Paso |
Heute stand die Überquerung des höchsten Punktes unserer Torres-Umrundung an, der Paso
John Garner mit 1241 m. Zuvor galt es jedoch einen äußerst morastigen Weg durch den
Wald halbwegs mit trockenen Füßen hinter sich zu bringen. Dazu viel Unterholz, welches
quer über den Weg lag, sehr mühsam die ganze Sache.
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Zurück hatte man das Tal, welches wir hoch gekommen waren, sowie das Torres del Paine - Massiv vor sich
Zur anderen Seite breitete sich der riesige Grey-Gletscher vor einem aus. Auf fast 20
Kilometer Länge füllen die vom Inlandeis herunterströmenden Eismassen das Tal aus. Der Rest des Weges über den Paß wieder runter war richtig übel. Sehr steil und überall galt es über umgefallene Bäume zu klettern und nicht über Wurzeln zu stolpern. Das Campamento del Paso ist sehr ursprünglich. Außer ein paar schiefen Zeltplätzen gibt es nix, nur ein kleines Bächlein. Nur die Aussicht stimmt:
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01.01.03 Camping Grey |
Weiter ging es. Wir mußten feststellen, dass 40 min unterhalb unseres Camps noch ein weiteres weitaus komfortableres gewesen wäre. Der Weg war mal wieder von übelster Sorte. 50 m runter, 50 m hoch. Dazu viele Bäume quer über den Weg. Das richtige Trainingslager für einen Dschungelkämpfer. Entschädigung dafür gab es aber reichlich in Form von schönen Ausblicken auf den Gletscher. Bei Betty streikte nun das rechte Knie, das selbe wie bei Flo. So konnte er die vom Holländer abgestaubte Bandage gleich an Betty weiterreichen. Ab jetzt betrieben die beiden Bandagen-Sharing. Je nach dem wer am lautesten klagte, bekam das Ding.Zwischendurch konnten wir doch tatsächlich einen Papageienschwarm beobachten. Ja solche Vögel gibt es hier in diesen Breiten tatsächlich. Wir hatten inzwischen das Ende des Gletschers erreicht. Hier geht dieser in den Lago Grey über. Ab und zu bricht ein Eisstück ab und treibt dann im See. Am Refugio Grey gab es erst mal eine supertolle warme Dusche. Auch ich sündigte und kaufte mir tatsächlich eine Dose Bier. Die anderen folgten und so spazierten wir auf eine Halbinsel im See und hatten von dort einen sensationellen Blick auf die Abbruchkante des Grey-Gletschers.
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02.01.03 Camping Italiano |
Das Wetter gestaltete sich heute sehr "patagonisch", soll heißen launisch. Und zum ersten Mal durften wir erleben, wovon die anderen Reisenden immer mit großer Ehrfurcht sprachen, den patagonischen Wind! Vom Inlandeis fegt eine Bö nach der anderen herunter, sehr stürmische Angelegenheit. Wir verfolgten zuerst den Weg am Lago Grey entlang, so gelangten wir wieder in den touristischen Teil des Nationalparks. Viele Leute laufen nur die Täler hoch und zum Glaciar Grey, also die sog. "W"-Tour. Weiter ging es zum Lago Pehoe, mit seiner atemberaubend türkisen Farbe. Hier kamen langsam weitere Wahrzeichen dieses Nationalparks in Sicht, die Cuernos (Hörner)!
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03.01.03 Valle del Frances und Camping Los Cuernos |
Heute sind wir also ins Valle del Frances hoch. Schon früh morgens machte sich der Wind bemerkbar. Das Camp liegt im Wald und so fegt der Wind meist nur über die Baumwipfel, ab und zu verirrt sich aber doch eine Bö und man hat einen Schwung Dreck im Frühstückstee.
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| Eine Heldengeschichte ... Du allein willst weiter hoch zu einem Col. Alle anderen haben den Kampf gegen den Wind aufgegeben. Der Weg sah kürzer aus als er ist. Ein Moräne folgt der nächsten. Dazu der Wind. Über dem Cerro Fortaleza fegt ein Sturm, das Donnern übertönt alle anderen Geräusche. Du kämpfst gegen den Wind. Es fängt zu schneien an, die Schneekörner sind 1000 kleine Nadelstiche im Gesicht. Du gehst weiter, vor dir ein Hochplateau. Du kannst im Wind nicht mehr aufrecht stehen und mußt hinter einem Stein Deckung suchen. Auf allen vieren trittst du den Rückzug an ... |
Tja, schade. Da oben hätte man bei besserem Wetter diverse Möglichkeiten um auf ein paar
nette Aussichtsfelsen zu kraxeln, z.B. eines der mit Schotter gefüllten Couloirs hochlaufen.
Also wieder runter. Im Camp Italiano wollte ich nicht bleiben. Viel zu ungemütlich, staubig,
windig und kalt war es hier. Außerdem viel zu laut mit einem reißenden Gebirgsbach gleich
neben dem Zelteingang. In 2h erreicht man das Refugio Los Cuernos. Man geht die meiste
Zeit am Lago Nordenskjöld entlang. Zuletzt sogar an einem schönen Kiesstrand, den man so
hier nicht vermuten würde. Der Wind war der Wahnsinn. Lange vorher hört man ein Geräusch,
als ob gleich ein D-Zug aus dem Wald kommt. Wehe wenn man dann der Windböe in die Quere
läuft, da heißt es Deckung suchen. |
04.01.03 Vollendung |
Wir konnten gleich noch die Weiterfahrt nach Calafate für den nächsten Tag klar machen. Wäsche war auch angesagt. Kein Problem, es gibt Wäschereien die die Arbeit übernehmen. Tja, ein Steak mußte natürlich auch her, es gab mal wieder Schuhsohle, aber wirklich ganz durch. Kein kulinarischer Genuß, aber mal wieder ein Essen, welches man nicht löffeln mußte. Nur der Kaumuskulatur fehlte doch ein bißchen das Training ... |
Stolze Leistung!
In neun Tagen habt ihr die Torres del Paine umrundet. Unverschämt viel
Sonne genossen und jede Menge tolle Fotos gemacht. Das ist doch einen Bonus wert!