Sardinien: Klettern + Strand www.sirdar.de

Juni 2010
Sardinien 2010 Nach dem Häuslebauen-Stress taten ein paar Tage Urlaub ganz gut. Zeit für große Urlaubsvorbereitungen hatten wir dieses Mal nicht, also reinsetzen und schauen was da so kommt. Wir trafen uns mit einer befreundeten Familie, die schon mal den ersten Campingplatz klar gemacht hatten. Danach gab es viel Strand, Klettern, a bissl Wandern, die eine oder andere Fahrradtour und ein paar "alte Steine".
Insgesamt fand ich Sardinien abwechslungsreicher als Korsika. Nach zweieinhalb Wochen hab ich allerdings das Gefühl einen rechten guten Überblick bekommen zu haben und getrost ein Häkchen über Sardinien machen zu können. Bei Korsika ist das nach einem Besuch noch nicht der Fall.

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Punta Cusidore, "via Legione Reale Truppe Leggere"
Sportklettern

Fähren:
Wir entschieden uns wieder für "Moby-Lines", die Preise war hier am günstigsten. Früh buchen rentiert sich! Für den Weg hin wählten wir dieses Mal die Nachtfahrt aus, eine Supersache. Kabine kostet nicht viel extra und man kommt sehr entspannt auf Sardinien an. Rückzu Mitte Juni war die Fähre brechend voll, spontan wäre da niemand mehr mitgekommen.

Unterkunft:
Für uns kamen wieder nur die Campingplätze in Frage. Welche es bis auf sehr wenige Ausnahmen nur an der Küste gibt. Für die Ziele im Inland muss man deswegen oft langwierige Anfahrten in Kauf nehmen. Was weniger an der Entfernungen, sondern an der äußerst kurvigen Straßen liegt.
Wir sind Zelter, und Wohnwagen-Burgen finden wir sowohl auf der Straße, als auch auf dem Campingplatz als eher störend (schreib ich jetzt mal ruhigen Gewissens, weil ich wohl eh nicht viele dieser Spezies zu meiner Leserschaft zählen darf ... ;-) In diesem Sinne haben mir folgende Plätze sehr gut gefallen:

Camping Porto Sos Alinos: Porto Sos Alinos, 10km vor Orosei an der Ostküste, wunderschön im lichten, aber schattigen Pinienwald angelegt, mit Hanglange und stark terrassiert, deswegen wohnwagenuntauglich. Sanitär eher rustikal. Traumhafte Badebuchten unmittelbar unterhalb des Campingplatzes in 3 Min. Fußmarsch zu erreichen. Guter Standort für die Gegend um Cala Gonone und das nördliche Supramonte.

Camping Sennisceddu: weit oberhalb in den Hängen des Monti Arci bei Arborea an der Westküste versteckter Campingplatz. Einer der ganz wenigen im Inland. Sehr schwer zu finden, deswegen absolut einsam, aber ganzjährig geöffnet. Man suche sich auf der Karte das Örtchen Pau am Monti Arci, innerhalb des Ortes ist der Platz dann ausgeschildert. Sein Zelt baut man im Korkeichenwald auf und kann dann gleich die eher unbekannten aber sehr urwüchsigen Wälder am Monti Arci erkunden, mit tollen Panorama-Blicken auf Meer und Tafelberge. Für diese (Stichwort: Giara) ist dieser Platz auch ein guter Standort.

Klettern auf Sardinien:
Die gute Nachricht, es gibt sehr viele Klettergebiete, jede Gesteinsart, Sportkletterrouten, Alpines, übermäßig abgesichert und gar nicht gesichert. Die schlechte, Sardinien ist nichts für Anfänger. Die meisten Routen beginnen erst ab 5, eher 6.

Literatur:
Für Kletterer:
Maurizio Oviglia "Pietra di Luna": Reiner Sportkletterführer, mit ein paar Mehrseillängenrouten, ganz brauchbar, aber es gibt auch kaum was anderes.
Maurizio Oviglia "Guida dei Monti d'Italia, Sardegna", Alpenvereinsführer des CAI: Freunde der alpinen Kletterei werden hier fündig, wenn auch nur auf italienisch.

Punta Cusidore, "via Legione Reale Truppe Leggere", 5+
In Sachen alpiner Kletterei in den unteren Schwierigkeitsgraden ist die Auswahl auf Sardinien nicht ganz so groß, wie bei den Sportklettertouren. An der Punta Cusidore wird man jedoch fündig und ja, es ist eine Klassetour! Vergleichbar z.B. mit der Herzogkante im heimischen Karwendel.

Anfahrt:
Ausgangsort ist die Ortschaft Oliena. Von Oliena fährt man Richtung Dorgali. So ca. 4km nach Oliena findet sich an der linken Seite ein Haus mit der verblassenden Inschrift "Pizzera Grifoni", kurz vorher geht es rechts in eine kleine Straße zur Monserrata-Kirche. Bei der ersten Abzweigung gleich links und dann immer so abbiegen, das man dem Berg näher kommt. Zuletzt geht es links unterhalb der Bergkette entlang, die Straße ist schließlich nicht mehr geteert und nachdem man einen Brunnen (rechts) passiert hat, wird die Straße bald unbefahrbar, man sucht also eine Platz zum Parken, was nicht so einfach ist. Die Anfahrt ist also schon mal nicht leicht, aber nicht entmutigen lassen und ein wenig suchen!

Zustieg:
Der ist dann noch ein Stück unlogischer und anfangs schwieriger zu finden, als die Anfahrt. Unterhalb der Punta Cusidore, sieht man einen kleinen Felsturm aus dem Wald ragen. Sehr markant und nicht zu übersehen ist das das erste Ziel. Dazu entweder der Anfahrtsstraße weiter in zunächst völlig falscher Richtung folgen und dann im Wald bei erster Gelegenheit rechts (spärlich rot markiert) oder sich direkt über Schafweiden und durch Macchia einen Weg suchen, was auch ganz gut geht.
Der Felsen bietet ein paar Sportkletterrouten und von hier ist der Weg nun deutlich und führt mit Steinmännern markiert steil durch den Wald nach oben in den Sattel rechts der Punta Cusidore. 1h.

Route:
Punta Cusidore, NW-Grat Der Einstieg findet sich direkt am Fuß des Nordwestgrates, der sich hier eher als breiter Rücken zeigt. Ganz unten findet sich eine badenwannenähnliche große Einbuchtung. Auf dem linken Grat fängt die Route an. Ein aufgemaltes, aber schon weitgehend verblastes Schild, kennzeichnet den richtigen Einstieg.
1. SL (IV+, 50m): Auf dem Grat, oder über einen Riss rechts (Haken) in direkt Linie nach oben. Darüber solange das Seil reicht gerade weiter. Stand z.B. an einer Latsche.
2. SL (III, 40m): Den leichtesten Weg suchend möglichst direkt nach oben, zu einer gut sichtbaren Nische rechts neben einem abgespaltenen Block. Hier Stand.
3. SL (IV, 40-50m): Unten um den Block links herum, dann gleich auf den Block. An die Wand spreizen und über plattiges Gelände zunächst rechts, dann der leichtesten Möglichkeit wieder links folgend. Stand an Normalhaken und Klemmkeilen auf unbequemen Band, vor einer schwierigen Stelle. Evtl. vorher bessere Möglichkeiten für einen Stand.
4. SL (V, 50m): Eine Art Verschneidung mit Riss hoch, darüber dann zunächst eher rechtshaltend über plattiges Gelände weiter, dann wieder eher direkt über einen Riss weiter zum Stand.
5. SL (III, 40m): Den leichtesten Möglichkeiten folgend, rechtshaltend ansteigen. Ziel sind ein paar Pfeiler auf der rechten Seite. Stand an einem Baum unter einem Riss.
6. SL (V+, 40m): Den Riss direkt hoch und dann weiter schwierig rechtshaltend über stufenartiges Gelände hinweg zum Beginn einer sich nach oben hin verzweigenden Verschneidung.
7. SL (V+, 25m): An der Verzweigung hält man sich links. Zunächst eine plattige Verschneidung, dann in einen kleinen Kamin, der nach oben hin überhängend wird. An der ersten möglichen Stelle nach rechts auf einen Block aussteigen, dort Stand.
8. SL (V, 50m): Kurze Querung nach rechts, dann einen Riss schräg nach oben. Danach linkshaltend nach oben klettern bis zum eigentlichen Grat.
9. SL (IV, 30m): Direkt am Grat nach oben, um einen ersten kleinen Felsturm zu erreichen.
10. SL (IV, 50m?): Über Risse und Stufen nach oben, eher rechts. Es gibt mehrere Möglichkeiten. Die Bolts gehören aber zu einer schwierigeren Route. Stand auf einem Pfeiler.
11. SL (III, 40m): Über einen Grat hinweg zum nächsten Steilaufschwung. Stand an einem Baum in einem Riss.
12. SL (IV+, 40m): In den Riss hinter dem Baum und hoch bis man den höchsten Punkt des nächsten Pfeilers erreicht hat.
13. SL (II, 30m): Über einen Grat in auf und ab hinweg.
14. SL (III, 25m): Weiter über den Grat, zuletzt wenige Meter steil in einen Sattel absteigen. Stand am Beginn des nächsten Steilaufschwungs.
15. SL (V-, 25m): Einen Riss direkt an der Kante verfolgen (viele Normalhaken), bis dorthin wo es schwierig und leicht überhängend wird. Nun links um die Kante herum auf ein mit Gras bewachsenens, gut begehbares Band (sieht man 1-2SL vorher ganz gut). Dort mehrere Möglichkeiten für einen (labilen) Stand.
16. SL (V, 35m): Vom Ende des Bandes mehrere Meter direkt nach oben (Riss), dann unvermittelt die beste Möglichkeit nutzen, um sehr ausgesetzt über eine Platte hinweg den Beginn eines Gully's zu erreichen. Hier nun einige Meter hoch zum Stand.
17. SL (IV, 40m): Vom Stand eher rechtshaltend einen Riss hoch. Danach erreicht man den Gipfelgrat, linkshaltend in leichteres Gelände.
Abschliessend über Blockgelände zum höchsten Punkt. Zeitbedarf 5-6h.

Abstieg:
Anfangs vom Gipfel weg recht gut mit Steinmännern markiert. Man steigt durch eine Rinne nach Süden ab. An einer Engstelle klettert man am rechten Rand über recht glatte Platten ab (kurze IIIer-Stelle). Danach geht es über einen Linksbogen auf die Hochfläche unterhalb der Punta Cusidore und rechts zurück in den vom Aufstieg bekannten Sattel. Man kommt direkt wieder am Einstieg vorbei. 2h bis ins Tal.

Charakter:
Meist sehr fester, kompakter Fels. Es handelt sich um die beliebteste Alpinroute auf Sardinien. Man wird trotzdem fast immer allein an der Route sein. Es finden sich oft sehr viele Normalhaken, dann wieder gar keine. An den Ständen ab und zu Bohrhaken. Hängt man dazwischen einen Bolt ein, ist man auf der falschen Route! Gute Sicherungsmöglichkeiten mit Schlingen auch an den vielen Bäumen und Sträuchern. Der Rest erfordert viel Eigeniniative: Klemmkeile, Friends, Schlingen. Große Teile der Route (auch in den schwierigen Stellen) sind selber abzusichern, was aber immer gut geht.
Speziell im unteren Teil und im Ausstieg eher schwierig zu finden, viel Erfahrung zur Routenfindung nötig. Ab und zu sollte man auf altes Material im Fels und Gebüsch stoßen, dann ist man richtig.
Laut Aussage meines Kletterkumpels sieht man auch hin und wieder stark verblasste rote Markierungen. Ich hab davon aber keine einzige gesehen.

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Sportklettern
Hier kurz, und im wesentlichen auch nur für mich selber als Gedächtnisstütze interessant, die von uns besuchten Gebiete und gekletterten Routen:

Cala Fuili:
Von Cala Gonone denkbar einfach erreichbar. Mit dem Auto soweit nach Süden wie es geht, Parkplatz direkt über der Bucht, dann noch 10min zum Strand und den unzähligen Routen. Geniales Gebiet! Aber wohl auch immer gut besucht ...

Sektor Spiaggia Est: bis 5c
Paretine Del Cannonau: "Abracadabra", 1.SL: 5c, 2.SL: 6a, sehr schöne, steile Route, Absicherung Marke sorgenfrei

Baunei, Villaggio Gallico:
Auf dem Weg zur Pedra Longa, links der erste "kletterbare" Felsen, nachdem es runter zum Meer geht. Kleiner Parkplatz auf der rechten Seite. 30m Zustieg von der Straße. Schöne, lange Touren, hallenmäßig abgesichert. Hier darf ich mich einer 6a und einer 6b Route rühmen.
Villaggio Gallico


Cala Goloritzè, Aguglia:
Aguglia Das Kletter-Wahrzeichen Sardiniens. Ein über 100m hoher Hinkelstein direkt am Strand, muß man einfach versucht haben. Zugang über Wanderweg in einer Stunde von der Golgo-Hochebene. So, das Problem bei dem Ding, der Normalweg gilt als der schwierigste seiner Art in ganz Italien. "Sinfonia dei Mulini a Vento" wurde dieser getauft, frei eine 6b+, aber angeblich auch 5c A0 zu haben. Nun die Bewertung ist hart, der Fels schmierig, die Absicherung alpin. Der erste Versuch endete dann auch nach 20m an einer Platte. Im zweiten Versuch entdeckte ich noch eine Ausweichmöglichkeit (wohl der Orginalweg) links unter der Platte vorbei und dann gerade hoch. Die Einstiegsmeter gingen noch frei, zwar auch schon mit hängen, weiter oben mußte ich aber ziemlich tief in die Trickkiste greifen um überhaupt den ersten Stand zu erreichen, weswegen wir auch gleich wieder das Handtuch warfen und neuerlich abseilten. Schade, irgendwie möchte man da schon oben stehen, auf so einer Felsnadel.

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