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Cevedale-Runde
Tour 645 3769m Cevedale-Runde: Zufallspitze (3757m), Cevedale (3769m), Palon de la Mare (3703m), Pizzo Tresero (3594m), Eiskofel (Tre Cannoni, 3276m), Eisseespitze (3230m) Ortlergruppe Skitour S 30.3.-3.4.17    

Große Berge, zerrissene Gletscher, steile Abfahrten www.sirdar.de

Diese Skirunde in der Ortlergruppe orientiert sich an der in der Panorama 1/2012 vorgestellten Mehrtagesskitour. Wetterbedingt machten wir einige Änderungen an der Tour. Da bei der Runde immer der Cevedale im Mittelpunkt steht, habe ich mir erlaubt, die Unternehmung umzubennen: Cevedale-Runde. Man benötigt 4-5 Tage. Man bewegt sich durch große Landschaften, auf Gletschern, wie man sie in dieser Größe und Wildheit in den Ostalpen gar nicht vermuten würde.

Übersicht:
1. Tag: Anreise und Aufstieg zur Zufallhütte (2265m, 45min, 200Hm) oder Marteller Hütte (2610m, 2h, 600Hm)
2. Tag: Zufallspitze (3757m), Übergang zum Cevedale (3769m), Abfahrt zum Rifugio Cevedale / Larcher (2608m); 7-8h
3. Tag: Überschreitung Palon de la Mare (3703m), Abfahrt zum Rifugio Branca (2493m); 6-7h
4. Tag: Vielfältiges Tourengebiet Fornokessel, z.B. Punta San Matteo (3678m) oder Pizzo Tresero (3594m), je 5-6h; weiter zum Rifugio Pizzini (2706m, 2h, 400Hm)
5. Tag: Aufstieg zum Rifugio Casati (3254m, 2h, 600Hm), bei der Abfahrt über den Langerferner können noch kleinere Gipfel mitgenommen werden, Abreise

Ausgangspunkt:
Martelltal, Parkplatz Talabschluß, Gasthof Schönblick (2055m)

Anfahrt:
Über Reschenpass oder Bozen / Meran ins Vinschgau. Dann das ganze Martelltal hoch bis zum obersten Parkplatz.

Charakter:
Grandiose Mehrtagestour in wilder Umgebung. Der Cevedale ist ja geradezu überlaufen, wenn man nach Süden zum Rifugio Cevedale abfährt, ist man schlagartig allein. Die Überschreitung des Palon de la Mare könnte die Krönung eines jeden Skitouren-Lebens sein, wenn das Wetter mitspielt. Von der Branca-Hütte mit dem Fornokessel hat man die Qual die Wahl. Das alles hat schon sehr westalpine Dimensionen mit ebenso zerrissenen Gletschern.
Um die Runde zu schließen, muss man weiter zur Pizzini-Hütte. Hier steht man in den Startlöchern für die Königsspitze. Aber noch soviel Action ist auch nur der Weg zurück über die Casati-Hütte anstrengend genug. Die Abfahrt über den Langerferner kann speziell bei Neuschnee auch ein unvergessliches Erlebnis werden.
Die ganze Skirunde funktioniert nur bei Frühjahrsverhältnissen. Man braucht eine absolut sichere Lawinenlage, schönes Wetter und gut eingeschneite Gletscher. Spaltengefahr gibt es nicht nur theoretisch, speziell im Fornokessel sind die Gletscher unglaublich zerrissen. Seil und Gurt sind essentiell, ebenso wie Pickel und Steigeisen.
Wir durften erfahren, dass man auch bei schlechter Sicht aufgrund der vielen Spuren über die Berge kommt. Aber allein schon der Aussicht wegen, sollte man gutes Wetter mitbringen.

Karte:
Tabacco Nr. 08 "Ortlergebiet", 1:25000

Link:
www.tourentipp.de
Panorama, Ortlerrunde




1. + 2. Tag: Überschreitung Zufallspitze und Cevedale, Abfahrt zum Rifugio Cevedale
Weil höher gelegen, bietet sich die Marteller Hütte als Ausgangspunkt an. Von hier könnte man auch in einem Zug über Cevedale und Palon de la Mare zur Branca-Hütte gelangen. Doch dann verpasst man das wild-schön-einsame Val Venezia mit dem Rifugio Cevedale.
Zufallhütte, Marteller Hütte
www.zufallhuette.com
www.martellerhuette.com

Vom Parkplatz beim Gasthof Schönblick folgt man einfach dem Wirtschaftsweg zur Zufallhütte. Nicht zu verfehlen. Um weiter zur Marteller Hütte zu gelangen, muss man hinter der Zufallhütte eine kleine Wandstufe überwinden. Der Weg schlängelt sich über verdeckte Gassen eine Etage höher. Bei Vereisung kann das durchaus heikel sein.
Darüber findet man sich in einem breiten Tal. Man wandert nahezu eben taleinwärts. Ein höher gelegenes Seitental, welches bis unter die Gipfelwand der Zufallspitze führt, lässt sich links über einen Firnhang erreichen. Der Hang ist doch recht steil und zur Saison wohl öfter vereist. Links auf einem Felssockel findet sich die Marteller Hütte, rechts gehts zur Zufallspitze weiter.

Zufallspitze, Cevedale
Von der Marteller Hütte steigt man das Seitental in Richtung Zufallspitze weiter hoch. Dort wo man den Gletscher erreicht, teilt sich der Weg auf. Man könnte nun rechts über den Zufallferner und Casati-Hütte zuerst auf den Cevedale. Direkter geht es, wenn man sich links hält und über den Fürkeleferner bis in einen Kessel direkt unter die Zufallsspitze aufsteigt. Die letzte Passage ist dabei recht steil, man umgeht dabei den Eisbruch rechts, um dann oberhalb nach links zu einer Felsscharte zu queren. Hier schultert man die Skier und steigt über den Südostgrat die letzten etwa 200Hm direkt zur Zufallsspitze auf. Der Felsgrat bereitet keine Probleme, obwohl es von unten ganz anders aussieht. Begehungsspuren sind reichlich vorhanden.
Von der Zufallsspitze ist der Cevedale nicht mehr weit und man sieht garantiert die Massen pilgern. Der einfachste Weg führt direkt über den Verbindungsgrat. Doch Vorsicht man quert dabei direkt am Bergschrund entlang. Ist die Spalte zu weit offen, muss man in den sauren Apfel beißen und südlich etwas unterhalb vom Grat mit dementsprechend Gegenanstieg zum Cevedale laufen.

Rifugio Cevedale
Man könnte nun auch direkt über den Palon de la Mare zur Branca-Hütte durchstarten. Aber die Abfahrt nach Süden zum Rifugio Cevedale ist schon auch ein Erlebnis. Von oben sieht es nicht so aus, aber man kann vom Gipfel direkt den Hang nach Süden hinabfahren. Vom Gipfel wäre theoretisch auch die Hütte zu sehen. Es hat bei dieser Abfahrt einen kleineren Eisbruch, an dem man in Abfahrtssinn rechts vorbeifährt. Darunter erreicht man eine Felsinsel. Nun ist es wichtig, sich immer links zu halten. Man gelangt so in eine von oben nicht sichtbare Rinne, welche man immer links am Fels entlang abfährt.
Am Ende wird man sehen, warum der rechte Arm ungünstig gewesen wäre. In dem Val Venezia, welches man erreicht, haben die Gletscher einige Moränen hinterlassen. Die Hütte steht mit Blick nach unten auf der ganz linken. Bei geschickter Routenwahl kommt man fast ohne Gegenanstieg bis dorthin, was auf den ersten Blick aber gar nicht so aussieht. Am Ende von der oben beschriebenen Rinne wird man auf den Sommerweg mit dementsprechenden Markierungen stoßen. Hier muss man einen felsigen Hang nach links queren und dann zur Moräne abfahren, auf welcher die Hütte steht. Dann über die Moräne zur Hütte.

Cevedale
Die Felsstufe hinter der Zufallhütte und wie man sie überwindet.

Cevedale
Der Weg zur Marteller Hütte und weiter zur Zufallspitze.

Cevedale
Die Route von der Marteller Hütte zur Zufallspitze.

Cevedale
Der felsige Südostgrat zur Zufallsspitze und der Übergang zum Cevedale.

Cevedale
Verbindungsgrat zum Cevedale.

Cevedale
Abfahrt vom Cevedale nach Süden Richtung Rifugio Cevedale.

Cevedale
Im unteren Teil ist der Weg zum Rifugio Cevedale ziemlich kompliziert. Nimmt man die im Bild linke Rinne, hat man einiges an Gegenanstieg, um zur Hütte zu gelangen.

Opentopomap: Cevedale
Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende, SRTM | Kartendarstellung: © OpenTopoMap (CC-BY-SA)
Wir hatten aus welchen Gründen auch immer, für die erste Nacht die Zufallhütte gewählt. Der Weg dorthin war schon nahezu ausgeapert und die Hütte richtig voll. Es sollte aber die einzige während der nächsten Tage bleiben, wo es eng zuging. Von der Hüttenterrasse konnten man einen gewaltigen Eisfall bewundern, zum anderen die Felsstufe, welche es auf den Weg den reichhaltigen Tourenangebot darüber zu überwinden galt. Dies geht mittels einer verdeckten Gasse, die schon recht vereist war. Hin und wieder purzelte also ein "Ausgerutschter" zwischen den Felsen hervor.
Am nächsten Morgen war das auch unsere erste Herausforderung. Die zweite war der nicht minder vereiste Hang unter der Marteller Hütte. Oben starteten gerade riesige Tourengruppen von der Hütte, die aber alle direkt Richtung Cevedale abbogen. Wir wollten zunächst auf die Zufallspitze. Der Weg dorthin führt über einen zunehmend steiler werdenden Gletscher. Einen Eisbruch unter der Gipfelflanke umgeht man rechts, bevor man oberhalb zum Grat quert. Der Gletscher war hier bei uns völlig abgeblasen und von daher heikel zu begehen.
Nun galt es die Skier zu buckeln und über einen Felsgrat die Zufallsspitze zu erklimmen. Das geht erstaunlich einfach, auch wenn die einzelnen Stufen im Gratverlauf schwieriger aussehen, als sie es letztendlich sind. An der Zufallsspitze waren wir allein, während es drüben am nahen Cevedale langsam eng wurde. Wir konnten direkt über den Eisgrat zum Cevedale laufen, was wegen des Bergschrundes nicht immer möglich ist. Hier waren wir also im Zentrum unserer geplanten Runde angelangt und konnten bei bester Sicht die umliegende Gletscherwelt bewundern.
Als nächstes stand die Abfahrt nach Süden zum Rifugio Cevedale an. Direkt trauten wir uns nicht und wichen daher etwas nach rechts aus. Wäre aber problemlos gegangen. Der Hang ist zwar schon recht steil und beherbergt auch einen Eisbruch, an dem man aber problemlos im Abfahrtssinn rechts vorbeikommt. Danach wurde es kompliziert. Der Gletscher läuft in zwei durch eine Felsinsel getrennte Rinnen aus. Wir wählten nach längerer Überlegung die linke. Eine weise Entscheidung. So bald man die folgende Steilrinne abgefahren ist, blickt man auf ein Gewirr von Moränen und irgendwo links hinten die Hütte. Wir ahnten Böses in Form von Gegenanstiegen. So fern man sich aber immer links entlang des Sommerweges hält, ist der Weg bis zur Hütte erstaunlich schnell und fast ohne Gegenanstieg zu meistern.
Das Val Venezia in dem wir uns nun befanden, ist von Norden aus gesehen so ziemlich am Ende der Welt. Wollte man da direkt hinfahren, es wäre eine Weltreise. Aus diesem Tal aber zu unserem Ausgangspunkt zu gelangen, geht auch nur über hohe Gipfel und Pässe. Schon so eine Art Falle, falls das Wetter umschlagen sollte. Die Gegend ist wunderschön und so schnell wird da wohl nicht mehr vorbeikommen. Die Hütte machte aber erstmal einen ziemlich verlassenen Eindruck, als wir dort eintrafen. Wir stellten uns auf ein Biwak ein, bis wir doch noch den Wirt samt Familie fanden. Wir blieben die einzigen Gäste an diesem Tag.



3. Tag: Überschreitung Palon de la Mare, Abfahrt zur Branca-Hütte
Eine gewaltige Tour, auf den besten Skiberg weit und breit. Hoffentlich stimmt die Sicht!
Rifugio Cevedale
www.rifugiocevedale.it

Überschreitung Rifugio Cevedale - Palon de la Mare - Rifugio Branca
Dem vom Vortag schon bekannten Weg folgt man wieder aufwärts, bis in den Kessel unter dem Cevedale. Hier hält man sich nun links und folgt der Gletscherrinne in Richtung einer gut sichtbaren Scharte mit der Biwakschachtel "Colombo".
Man muss nicht direkt bis zur Scharte gehen, sondern steigt schon vorher über einen Gletscherrücken zu einem Sattel auf, wo man den lang gestreckten Gratrücken zum Palon de la Mare erreicht. Am Anfang hat es ein paar Felsköpfe, die man überschreitet, oder rechts umgeht. Danach wartet noch mal einer steilerer Gletscherhang, den man direkt angeht, bis zu einem mit einer Stange markierten Felsturm. Ab hier nun links über den breiten Firngrat weiter bis zum höchsten Punkt.
Hier nun jenseits hinab, bis dorthin, wo sich der Grat aufteilt. Hier nun rechts (südwestlich) über einen zunehmend felsigen Hang hinab (Steigspuren), bis man ein Gletscherfeld erreicht. Nun den ganzen oberen Kessel unterhalb der Gipfelwand ausqueren. Gleich am Anfang, beim Übergang auf den Gletscher hat es jede Menge Spalten, auch wenn dies nicht offensichtlich ist.
Am westlichen Ende des oberen Gletscherfeldes, bei einem markanten Felsturm, schwenkt der Gletscher nach Süden und fällt steil hinab in Richtung Fornokessel. Am Übergang vom Plateau in die Gletscherrinne hat es zwei große Eisbrüche. Genau mittig würde zwischen den Brüchen eine schmale Rinne hindurchführen. Diese ist von oben ohne Spuren und speziell wenn man das Gelände nicht kennt, quasi nicht zu entdecken. Als Alternative bleibt dann nur der westliche Rand des Gletscherplateaus. Auch wenn es von oben nicht so aussieht, kann man hier etwas unterhalb einer Geländekante recht einfach und weitgehend spaltenfrei zum besagten markanten Felsturm queren.
Hier nun direkt die breite und nicht allzu steile Rinne über traumhaftes Skitourengelände hinab. Dort wo der Gletscher steil in eine Rinne abfällt, versucht man in Abfahrtssinn rechts, die Einfahrt zu einer Firnrinne zu finden (mit Stange markiert). Diese relativ schmale Rinne steil hinab (35°). Etwas oberhalb des Fornigletschers, gilt aus der Rinne rechts hinaus den Übergang zu einer Rampe zu finden, welche entlang einer Moräne direkt zum See unterhalb der Branca- Hütte leitet. Mit kurzen Gegenanstieg auf Fahrweg zur Hütte hoch.

Cevedale
Der Wiederaufstieg zum Palon de la Mare, vom Cevedale aus gesehen.

Cevedale
Abfahrt vom Palon de la Mare, gesehen beim Aufstieg zum Pizzo Tresero.

Opentopomap: Palon de la Mare
Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende, SRTM | Kartendarstellung: © OpenTopoMap (CC-BY-SA)
Das Wetter sollte im Laufe des Tages schlechter werden, soviel wußten wir. Schon blöd, weil für die Überschreitung des Palon de la Mare wäre schon gute Sicht notwendig.
Nun, einen der "berühmtesten Aussichtsplätze der Alpen" haben wir dann weitgehend im Nebel überschritten. Es machte relativ früh zu, Schneeschauer trieben uns voran. Ohne die reichlichen Spuren von den Begehungen die Tage zuvor, wäre die Route ohne Ortskenntnisse auch kaum zu finden gewesen. Den Schlussgrat gingen wir mit Steigeisen und angeseilt. Beim Abstieg machte es etwas auf, so dass wir die Einfahrt in das jenseitige Gletscherfeld südlich unter der Gipfelwand recht gut finden konnten. Der Gletscher war ziemlich abgeblasen und am Übergang zum Gletscher hatte es schon mal reichlich Spalten. Bei mehr Schnee wird einem das wohl gar nicht auffallen. Man muss hier tunlichst das ganze obere Gletscherbecken ausqueren, um nicht den Eisbruch darunter zu geraten. Am Ende standen wir etwas ratlos über den Spalten und stocherten uns schließlich angeseilt wieder in sicheres Gelände. Von unten betrachtet wäre der Eisbruch über eine Rinne zwischen den Spalten oder (von unten gesehen) ganz links, recht einfach zu überwinden gewesen, aber das ist von oben kommend nur schwer zu erkennen.
Der Rest ist ein einziger steiler Hang, mit anschließend nicht minder steilen Firnrinnen. Bei guten Schnee ein Fest, bei uns so mittel. Der stürmische Wind, der Nebel, die vielen Spalten, die Unsicherheit, ob wir über den Berg kommen, das hatte an den Nerven gezerrt. So war ich doch froh, als wir in der Branca-Hütte saßen.


4. Tag: Pizzo Tresero und Weiterweg zum Rifugio Pizzini
Vom Rifugio Branca hat man die Qual der Wahl. Es gibt Skitouren-Möglichkeiten für eine Woche. Die hier vorgestellte Variante ist mit Gegenanstieg wieder hoch zum Rifugio Branca und Weiterweg zum Rifugio Pizzini etwas umständlich. Wer dies vermeiden will, übernachtet z.B. nochmal auf der Branca-Hütte und steigt am Folgetag auf den Hausberg, den Monte Pasquale (3553m). Von dort kann man direkt zum Rifugio Pizzini ohne mühsame Talhatscher abfahren.
Rifugio Branca
www.rifugiobranca.it

Pizzo Tresero
Der Pizzo Tresero schließt den Forno-Kessel quasi nach Südwesten ab. Von der Branca-Hütte gibt es zwei Möglichkeiten für den Aufstieg. Es bietet sich eine Rundtour an, die macht man zwecks Abfahrtsgenuß am besten so, wie nachfolgend beschrieben.
Von der Branca-Hütte fährt man zunächst zu dem kleinen See ab und dann weiter den Fahrweg entlang. Wo dieser nach dem See die erste Kurve macht, hält man sich gerade aus und schiebt in Richtung Gletscherzunge weiter. Um in das Gletscherbecken zu gelangen, gilt es eine unangenehme Steilstufe zu überwinden. Dies geht am linken Rand über eine enge Rinne. Diese ist zur Saison morgens meist hart gefroren (evtl. Steigeisen). Nun unter der Gletscherzunge rechts vorbei und über den Gletscher zu einem Gratrücken ("L'Isola Persa"). Über diesen südwestlich ansteigen, an einer felsigen Steilstufe rechts vorbei. Hier erreicht man den Anfang eines gewaltigen Gletscherbeckens unter der Punta San Matteo. Der Übergang in dieses Becken führt durch einen Eisbruch, hier schadet Anseilen keineswegs. Nun das ganze Becken durchqueren, immer in Richtung eines markanten Sattels rechts vom Pizzo Tresero.
Zuletzt steil in den Sattel hinauf. Oben dann eine nicht minder steil ansteigende Querung zu einem kleinen Plateau unter der Gipfelflanke. Der Hängegletscher wird links sehr steil umgangen (35°-40°). Darüber dann rechtshaltend auf den Gipfelgrat aussteigen. Skidepot und 10min zu Fuß rechts weiter zum Gipfel.
Für die Abfahrt fährt man nun zum Sattel und weiter zum Beginn des großen Gletscherbeckens ab. Hier nun gleich am linken Rand immer ein Rinnensystem abfahren. Teilweise sehr eng, bis 35° steil. Man erreicht so schließlich wieder den Talboden und hat noch so ca. 150Hm zurück zur Hütte zu bewältigen.

Weiter zum Rifugio Pizzini
Wer Zeit hat, sollte wie erwähnt noch eine Nacht im Rifugio Branca dranhängen und anderntags auf den Monte Pasquale nördlich der Hütte aufsteigen. Von dort kann man bequem zum Rifugio Pizzini abfahren.
Ansonsten gibt es noch ein talnahen Verbindungsweg. Dieser ist bei viel Schnee zu gefährlich, bei wenig Schnee recht mühsam. Gleich bei der Branca-Hütte weißt ein Schild in die richtige Richtung. Man wandert auf einen Höhenweg talauswärts. Umrundet so die Ausläufer des Monte Pasquale und gelangt schließlich in das Valle di Cedec. Je nach Bedingungen kann man auf der östlichen Talseite bleiben oder muss in den Talboden bis zu einer kleinen Brücke abfahren, wo man den Fahrweg zum Rifugio Pizzini erreicht.

Cevedale
Der Schlusshang zum Pizzo Tresero, dann über den Grat rechts.

Cevedale
Der letzte Teil des Aufstiegs zum Tresero vom Rifugio Pizzini aus gesehen.

Opentopomap: Pizzo Tresero
Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende, SRTM | Kartendarstellung: © OpenTopoMap (CC-BY-SA)
Morgens sah das Wetter noch passabel aus. Wir hatten die Punta San Matteo auf dem Programm und gingen erst mal in die Richtung los. Nach der Querung von der Hütte hat man eine eisige Rinne zu bewältigen, um zum Forni-Gletscher zu gelangen. Trotz Harscheisen rutschte ich hier erst mal ab, bevor im zweiten Versuch der Aufstieg gelang. Die Landschaft mitten im Fornokessel ist spektakulär, nur leider zog das Wetter wieder zu. Alle anderen Tourengruppen marschierten in Richtung Pizzo Tresero, der etwas im Windschatten der anderen Eisriesen steht. Also änderten wir unsere Pläne und folgten der Masse.
Unter der Punta San Matteo mussten wir nun ein breites Gletscherbecken durchqueren. Am Anfang geht es dabei durch eine ordentliche Spaltenzone, wo Anseilen sicher nicht verkehrt ist. Am der Querung steigt man zu einem Sattel hoch, dann wird es richtig steil bis zum Gipfel. Ein eisiger Wind fegte über die Hänge, sorgte dabei aber auch für die eine andere Lücke in der Wolkendecke, so dass wir etwas von der herrlichen Landschaft sehen konnten. Zum Ende hin steigt man links von einem Hängegletscher hoch. Hier wird es wirklich ordentlich steil, bevor man den Gipfelgrat erreicht. Rechts ist es dann zu Fuß über den Grat nicht mehr weit.
Für die Abfahrt wählten wir unter dem Sattel eine direktere Variante, hier wartet eine schöne Steilrinne nach der anderen, teilweise recht eng. Der Wiederaufstieg zur Branca-Hütte ist dann aber so oder so unumgänglich, falls man von dort nochmal was machen möchte. Wir wollten noch weiter zur Pizzini. Das geht über einen Hangweg, der aber im Frühjahr nicht wirklich toll zu begehen ist. Immer wieder mussten wir Skier abschnallen und tragen. Besser wäre da schon der Weg über den Monte Pasquale, wenn man etwas mehr Zeit hat. So kamen wir einigermaßen geschlaucht vom langen Tag, 2h nach Aufbruch von der Branca-HÜtte, an der Pizzini an.
Die Pizzini hatte ich von einem letzten Besuch 2001 oder so, noch als bessere Scheune in Erinnerung. Da hat sich einiges geändert, mittlerweile renoviert und beseelt von einem gut gelaunten Hüttenwirt, der wohl seinen Traumberuf gefunden hat, ein echter Überzeugungstäter.


5. Tag: Rifugio Pizzini - Rifugio Casati, Eiskofel, Eisseespitze
Im Rifugio Pizzini steht man in den Startlöchern für die Königsspitze. Doch um zurück ins Martellertal zu gelangen, steht in jedem Fall der nicht zu verachtende Anstieg zum Rifugio Casati bevor. Man kann auch rund um die Hütte die Gegend noch näher erkunden. Lohnende Ziele gibt es genug.
Rifugio Pizzini (2700m)
www.rifugiopizzini.it

Aufstieg zum Rifugio Casati
Von der Hütte aus gut zu sehen, auch wenn die Route erstmal nicht so offensichtlich ist. Man steigt von der Pizzini zunächst in Richtung Materialseilbahn der Casati auf. Von dort erkennt man eine Rampe, welche von rechts nach links zum Grat hochführt. Kurz darunter wird der Hang sehr steil und bei Vereisung auch nicht ungefährlich. 2h von der Pizzini

Eiskofel (Tre Cannoni, 3276m)
Eigentlich nur ein Felskopf, der etwas aus dem Gletscher ragt. Dennoch interessant, weil die Österreicher hier zum Ende des 1. Weltkriegs in monatelanger Arbeit drei riesige, erbeutete Kanonen hochschleppten. Von hier aus wurden dann Stellungen der Italiener jenseits von Ortler und Königsspitze beschossen, die bis dahin nicht erreichbar waren.
Von der Casati muss man einfach nur eine halbe Stunde in östlicher Richtung laufen, um zum felsigen Eiskofel mit den drei Kanonen zu gelangen.

Eisseespitze (3230m)
Für die Abfahrt zur Zufallhütte bietet sich der Langerferner an. Optimale Skihänge warten im oberen Teil. Man kann dabei noch einige kleinere Gipfel mit schönen Hängen mitnehmen. So z.B. die Eisseespitze. Die Aufstiegsroute ist offensichtlich (ca. 1h zusätzlich) und man hat nochmal einen informativen Blick zu den Gipfeln rund um Sulden. Danach fährt man den mittelsteilen Aufstiegshang wieder direkt hinab Richtung Langerferner und es geht das langgestreckte Tal hinaus. Die Schiebepassagen halten sich dabei in Grenzen, auch wenn es von oben anderes aussieht. Man erreicht die Zufallhütte und die Cevedale-Runde schließt sich.

Cevedale
Aufstieg von der Pizzini zur Casati-Hütte.

Cevedale
Aufstieg zur Eisseespitze vom Langerferner.

Opentopomap: Pizzini-Casati
Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende, SRTM | Kartendarstellung: © OpenTopoMap (CC-BY-SA)
Die letzten Tage hatten Spuren hinterlassen. Wir verzichteten auf die Königspitze und stiegen direkt zur Casati-Hütte auf. Hier kann man noch ein paar kleinere Ziele mitnehmen. Zum Beispiel stehen da ganz in der Nähe auf einem Felskopf mitten im Gletscher noch drei Kanonen aus dem ersten Weltkrieg, welche die Österreicher in sicherlich mühsamer Arbeit hier hochschleppten. Eine Karte gibt Auskunft über die damit beschossenen Ziele. Es wurden Stellungen der Italiener noch hinter der Königsspitze bekämpft. Ein Wahnsinn, der gerade mal 100 Jahre her ist, während man heute friedlich am gleichen Ort steht und nur Fotos "schießt". Vieles hat sich doch deutlich verbessert, das wird einem an solchen Orten deutlich bewußt.
Wir nahmen noch die Eisseespitze mit, ein schöner Aussichtsgipfel, bevor wir als erste Spuren in den frisch verschneiten Langerferner legten und uns damit auf den Heimweg machten.
Stephan unterwegs mit Jens

Cevedale
Ja, wir wollten schon auf Skitour. Auch wenn es so warm war, dass auf 2000m schon die Schlangen über den Weg krochen.

Cevedale
Die Zufallhütte.

Cevedale


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Königsspitze.

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Ortler und Königsspitze.

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Blick zurück ins Marteller Tal und der Aufstiegsroute.

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Zufallsspitze Südostgrat, von oben.

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Cevedale
Am Gipfel des Cevedale hat es noch Baracken aus dem 1. Weltkrieg.

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Das Rifugio Cevedale.

Cevedale
Am Gipfel des Palon de la Mare.

Cevedale


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Cevedale


Cevedale
Rifugio Branca voraus.

Cevedale
Auf dem Weg zur Punta San Matteo, aus der dann der Pizzo Tresero wurde.

Cevedale


Cevedale
Königsspitze im Hintergrund.

Cevedale


Cevedale


Cevedale
Am Gipfel des Tresero.

Cevedale


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Die Pizzini-Hütte mit der Königsspitze dahiner.

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Cevedale


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Cevedale


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Cevedale


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Cevedale


Cevedale
Wenn man von der Branca-Hütte zum Monte Pasquale aufsteigt, kann man über diese Gletscherhänge direkt zur Pizzini abfahren.

Cevedale


Cevedale


Cevedale


Cevedale


Cevedale
Eine der drei Kanonen.

Cevedale
Im Hintergrund ist die Casati-Hütte auszumachen.

Cevedale


Cevedale
Die drei Kanonen

Cevedale
Casati-Hütte

Cevedale


Cevedale


Cevedale
Abfahrt über den Langerferner.

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Alle Texte und Bilder so nicht anders vermerkt von Stephan Rankl.
www.sirdar.de - Kommentar

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