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Watzmann
Tour 653 2712m Watzmann Südspitze - Ostwand, Salzburger Weg Berchtesgadener Alpen Klettern 5 05.07.17    

Anspruchsvoller Weg durch die Watzmann-Ostwand www.sirdar.de


Watzmann
Die Watzmann-Ostwand am Unfalltag
Das dürfte jetzt für längere Zeit der letzte Eintrag auf sirdar.de sein. Ich hoffe schon, dass noch ein paar dazu kommen, aber die Zeit der anspruchsvollen Touren liegt wohl hinter mir.

Ich habe immer gewußt, dass das Bergsteigen extremerer Ausrichtung auch mit viel Glück verbunden ist. Nun hat es mich erwischt, das Glück war wohl aufgebraucht. Aber es gibt mich noch, doch den Rest der mir zustehenden kostbaren Substanz Glück habe ich definitiv für den Sturz benötigt.

Was ist passiert? Mit Thomas hatten wir uns den Salzburger Weg an der Watzmann Ostwand ausgeguckt. Wir wollten die Sache in zwei Tagen angehen und am Anfang des Schöllhornkars bei den dort vorhandenen Biwakblöcken die Nacht verbringen. Gemütlich nahmen wir also ein Boot nach St. Bartholomä und gönnten uns dort ein Mittagessen, bevor wir zum ersten Schneefeld, der Eiskapelle wanderten. Steigeisen an und los ging es. Obwohl wir früh im Jahr dran waren, war die Randkluft rundherum schon sehr weit offen. Wir fanden nach längerer Suche nur einen Punkt, wo der Übergang gelingen konnte. Der Fels jenseits der Randkluft sah nicht optimal, aber doch machbar aus. Ziemlich kompakt, steil und mit Schutt bedeckt.
Thomas postierte sich an der Randkluft und nahm mich in Körpersicherung. Ich kletterte los und kam auch gut voran. Für eine Zwischensicherung wollte sich nix finden lassen. Ein schwieriger Griff, ein wackeliger Tritt, doch darüber hätte ich es geschafft. Leichteres Gelände lockte ...

Das nächste woran ich mich erinnern kann, ist die Intensivstation im Salzburger Krankenhaus.

Das "Dazwischen" weiß ich also nur von Erzählungen. Jedenfalls war ich auf viele, viele Helfer angewiesen, die mir alle das Leben retteten. Zuerst natürlich Thomas.
Ich war wohl 10 Meter über Thomas, beim Sturz flog ich direkt in die Randkluft, so dass insgesamt 20 Meter zusammengekommen sind. Aufgrund der Geländebeschaffenheit muss ich wohl ein paar mal aufgeschlagen sein. Das Thomas mit Körpersicherung den Sturz halten konnte, grenzt schon mal an ein Wunder und war wohl nur deswegen möglich, weil sich das Seil zwischen Eis und Fels verklemmte.
Thomas schaffte es anschließend mit einem Klemmkeilentferner eine Eissanduhr zu schlagen, wo er mich sichern konnte. Handy-Empfang gibt es bei der Eiskapelle nicht. Thomas konnte sich jedoch mit einem der vielen Tagesausflüger verständigen, welche die Bergwacht verständigten. Die schafften es, mich rauszubekommen. Per Hubschrauber ging es in die Klinik nach Salzburg. Ich muss wohl die ganze Zeit ansprechbar, also bei Bewußtsein gewesen sein. Ich weiß davon jedoch wie erwähnt nix mehr. Alles weg, der Schock war wohl groß und mein Bewußtsein schützt mich vor diesen Bildern. So hat es mir zumindest eine Psychotherapeutin erklärt.

Die Schadensbilanz, ein mehrfacher Beckenbruch, ein ausgekugeltes Knie, ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma, ein Bruch im Handgelenk. Vergleichsweise günstig, würde ich mal sagen, nach so einem Sturz. Der voll gepackte Rucksack hat mich wohl vor Schlimmeren bewahrt. Blaue Flecken und Prellungen hatte ich quasi überall, am ganzen Körper. Nur nicht am Rücken, wo der Rucksack war.

Bleibt nur noch Danke zu sagen, all denen, welche mir das Leben erhalten haben. Zuvorderst natürlich Thomas, wenn es mich schon reinhaut, dann war er sicherlich der dafür beste Tourenpartner. Natürlich auch ein großes Danke der Bergwacht von Berchtesgaden. So könnte ich jetzt lange weitermachen. Es ging Hand in Hand. Da wird einem mehr als deutlich bewußt, welchen Luxus wir hier in Deutschland, oder auch Österreich, rund um die "Gesundheit" genießen.

Ich war insgesamt 7 Wochen im Krankenhaus. 3 Wochen in Salzburg, den Rest in Murnau.

In Salzburg gab es neben der Notfall-OP noch zwei, um mein Becken wieder zusammenzuschrauben. Dabei wurde auch der Ischias-Nerv angekratzt, genauer gesagt der Peroneus-Anteil. Das ist mit einer Lähmung am Fuß(heber) verbunden. In Murnau wurde in einer OP noch das Knie geflickt, hier waren durch die Luxation sämtliche Bänder gerissen.

Das Knie war dann insgesamt 10 Wochen ruhiggestellt. Als nächstes steht die Reha an. Von Zeit zu Zeit werde ich hier ein paar Updates geben (siehe unter dem Bild).

Watzmann
Da ist es irgendwo passiert. So sah die Eiskapelle am Unfalltag aus.

Update 28.10.2017:
Nach insgesamt 6 Wochen Reha durfte ich wieder nach Hause. Fortschritt ist da, aber wie von allen prophezeit, dauert das alles sehr lange. Ich bin noch auf Gehstützen angewiesen, längere Strecken schaffe ich damit noch nicht. Knie kann ich eingeschränkt wieder bewegen. Der Fuß "schreit" aufgrund der Nervenverletzung immer noch, soll sagen, die Sache ist schmerzhaft. Ich habe aber den Eindruck, dass die Muskeln, um den Fuß zu bewegen, sich langsam wieder bemerkbar machen.

Im Buch von Ueli Steck, "Der nächste Schritt", fand ich folgenden Satz:

"Je öfter man sich in den Bergen bewegt, je länger man sich in gefährlichem Gelände aufhält, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es einen dabei erwischt - das ist eine einfache Rechnung."

Das trifft es voll, wie ich finde. Alles ein Frage der Statistik. Auch sonst ist das Buch sehr lesenswert. Ueli Steck ist ja leider im April 2017 tödlich verunglückt, er hatte nicht so viel Glück wie ich. Aber wenn man das Buch liest, ich glaube, er wußte was kommt.

Update 27.11.2017:
Werde hier etwas genauer Protokoll über meinen Unfall führen, in der Hoffnung in einigen Jahren die Sache ganz entspannt nochmal nachvollziehen zu können. Vielleicht hilft es auch jemanden, der in eine ähnliche Situation gerät.

Jetzt bin ich auch schon wieder einen Monat seit der Reha daheim. Ganz kleine Fortschritte gibt es doch, aber die ganze Heilung geht schon sehr langsam voran. Ich hab angefangen in so einer Art Schlurfschritt durch die Wohnung zu tapsen. Meist bin ich jedoch auf Stützen und Rollstuhl angewiesen. Mit Stützen gehen kleinere Runden vor der Haustür, mehr aber nicht. Sonst streikt die Kondition und vor allem mein lädiertes Handgelenk. Bezüglich meiner Nervengeschichte sieht man jetzt zumindest wieder, dass der Fußheber wieder zuckt, mehr aber auch nicht. Die Nervenläsion ist also zum Glück unvollständig, was die Prognose für die Heilung etwas verbessert. Die damit verbundenen Schmerzen im Fuß sind nach wie vor da und die machen mir das Leben manchmal ziemlich schwer.

Aber es geht immer schlimmer, für abgestürzte Bergsteiger und solche, die es vermeiden wollen, kann ich das absolut lesenswerte Buch von Robert Steiner empfehlen, "Selig, wer in Träumen stirbt".

Update 28.12.2017:
Wieder ein Monat rum. Ich lauf immer noch an Krücken. Um laufen zu können, muss man zumindest kurz auf einem Bein stehen können. Das kann ich mit dem lädierten Bein nicht. Zum einen aufgrund des Muskelschwunds aufgrund der langen Liegerei, zum anderen fehlt mir zur Koordination der gelähmte Fuß. Das macht die Sache mit dem Gehen schwierig. Aber ich trainiere, was halt geht.
An die Lähmung werde ich mich wohl erst mal gewöhnen müssen. Da tut sich nicht viel. Zumindest sind die damit verbundenen Nervenschmerzen seit Anfang Dezember doch um einiges besser geworden, sprich meist erträglich. Sonst war das doch ziemlich zermürbend. Schon komisch, ich kann den Fuß nicht bewegen, spüre nur noch an wenigen Stellen etwas, nur die Schmerzen sind in den eigentlich gefühlslosen Bereichen da. Ist das Simulation im Hirn oder tatsächlich ein Signal vom Fuß ausgehend? Konnte mir bisher auch noch niemand gut erklären.
Zwischendurch hatte ich mit dem Retter Kontakt, welcher als erstes bei mir da unten im Loch der Randkluft war. Von der Rettung wurden ja reichlich Fotos gemacht, kann man dazu stehen wie man will, ist mir auch wurscht. Jedenfalls habe ich nun Fotos, die mich zeigen, wie ich zwischen Eis und Fels tief in einem Loch auf einem Absatz hocke. Ich schaue nicht gut aus dabei und es ist schon irgendwie komisch das zu sehen, wo ich doch absolut keine Erinnerung an die Situation habe.

Für alle die Zeit haben, sich über den Sinn des Lebens und allgemein über das Woher und Wohin Gedanken machen, kann ich die Bücher von Yuval Noah Harari "Eine kurze Geschichte der Menschheit" und "Homo Deus" empfehlen. Ist aber eher deprimierende Lektüre, also Vorsicht.

Update 28.01.2018:
Uff, es hat sich viel getan. Endlich hab ich das Gefühl, die Übungen, welche ich täglich mache, bringen auch was, die Muskeln legen wieder zu. Inzwischen laufe ich die meiste Zeit nur noch mit einer Stütze, das wird aber mit Sicherheit noch eine Weile so bleiben. Aber alles der Reihe nach:
- Vom Beckenbruch merke ich erstaunlich wenig, nur das zur Fixierung im Rücken angebrachte Gestänge nervt beim Sitzen.
- Beim Knie bin ich die Orthese mittlerweile los. Ohne Bandage ist das Gefühl der Instabilität allerdings überwältigend, deswegen lieber mit Bandage. Laut Orthopäde sind die Bänder aber alle okay. Braucht halt noch ein wenig, bis alles wieder stabil wird.
- Das Nervige, ist die Lähmung im Fuß. Wobei die Nerven tatsächlich nachwachsen, kann man mit dem "Hoffmann-Tinel-Zeichen" (einfach googlen) ausprobieren, demnach wären die Nervenende mittlerweile wieder in der Kniekehle angelangt. Die nächsten Monate werden also interessant, inwieweit sich das alles regeneriert.
- Das gebrochene Handgelenk, kann ich auf der "Geheilt-Liste" abhaken, das passt wieder.

Mittlerweile habe ich mit meinem Arbeitgeber eine Wiedereingliederungsmaßnahme beschlossen, die im Februar startet. Am gleichen Tag als ich dies tat, ruft mich die Krankenkasse an und sagt, der medizinische Dienst hätte aufgrund des Befundes nach der Reha das Gutachten abgegeben, ich sei ein hoffnungsloser Fall und ich muss einen Antrag auf Rente stellen. Das Ganze verbunden mit der Drohung, ich sollte dies binnen 10 Wochen tun, sonst wird die Zahlung des Krankengeldes eingestellt.
Natürlich darf die Krankenkasse so was nicht, die will mich einfach nur loswerden. Tja, da fällt man vom Glauben ab. Eine gesetzliche Krankenkasse übrigens, wenn die mich noch weiter ärgern, schreib ich irgendwann auch noch hin welche ...
Bestätigt mich wieder in der Meinung, bei allen was mit Krankheit, Verletzung und allem drum herum zu tun hat, sollte man sich besser selbst sehr gut auskennen. Man müsste quasi nebenher Medizin und Sozialrecht studieren. In diesem Zusammenhang empfand ich folgende Bücher zum Thema Schmerzen als Offenbarung:
Sven Gottschling, "Schmerz los werden", sowie David Butler "Schmerzen verstehen".

Inzwischen denke ich auch, man sollte nur Klettern dürfen, wenn man eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen hat ... ;-)

Update 16.02.2018:
Die Krankenkasse hat wohl doch Möglichkeiten einen jederzeit in die Rente abzuschieben, jedenfalls können sie es versuchen, wie bei mir. Auf die 78 Wochen Krankengeld, wie es im Sozialgesetzbuch steht, kann man sich also nicht verlassen. Wer in diesem Zusammenhang Hilfe benötigt, es gibt da eine unabhängige und vor allem kostenfreie Beratungsstelle:
www.patientenberatung.de

Ich habe inzwischen mit der Wiedereingliederung angefangen. Ich hoffe, die klappt und ich bin die ganzen Schererein auf die Art und Weise los, es nervt.

Was ist noch passiert, ich wurde im Benedictus Krankenhaus in Tutzing vorstellig. Dort gibt es ein wohl ziemlich gutes Schmerzzentrum. Bezüglich meiner Nervenschmerzen am Fuß hat man mir dann gleich ein "Qutenza"-Pflaster verpasst. Der Wirkstoff, welcher auch im Chili zu finden ist, schaltet dabei für einige Zeit die Schmerzrezeptoren aus. Hat bei mir aber nix gebracht, war aber in jedem Fall einen Versuch wert.

Update 04.03.2018:
Meine Wiedereingliederung lief eigentlich ganz gut und ich war mir eigentlich sicher, dass ich wieder anfangen könnte, normal zu arbeiten. Doch es kam anders. In der letzten Woche streckte mich eine Nierenkolik darnieder. Das ist ein ganz lieblicher Schmerz, 8 von 10 Punkten auf der Schrei-am-Spieß-Skala würde ich mal sagen. Verursacher war ein gerade mal 3mm großer Nierenstein, der mir dann im Krankenhaus Fürstenfeldbruck entfernt wurde. Eh ich mich versah, hatte ich also einen ordentlichen Flashback, als ich wieder mit einem Katheder, da wo man ihn nicht haben will, nahezu bewegungsunfähig in einem Krankenhausbett lag. Fast wie gleich nach dem Unfall.

Scheiße.

Zum Glück nur für zwei Tage, dann durfte ich wieder nach Hause. Jetzt fühl ich mich wie erschlagen, das Ganze hat mich doch ziemlich zurückgeworfen. Für die nahe Zukunft muss ich mir jetzt erst mal wieder eine vernünftige Vorgehensweise überlegen.

Ich hatte auch noch mit der von der Rentenversicherung bezahlten Nachsorge (IRENA) angefangen. Man kriegt dabei in gewissen zugelassenen REHA-Zentren Zugang zu einer Trainingsfläche und darf für eine Stunde Übungen an Geräten machen. Dazu hat man noch die Wahl, ob man lieber Gymnastik oder ins Bewegungsbad geht. Das Bad ist für mich aber noch eine eher mit Frust verbundene Angelegenheit, also lieber Gymnastik. Dauert eine halbe Stunde und in der zufällig zusammengewürfelten Gruppe bin ich meist der kaputteste. Auch Frust.

Für mein Fußheberproblem habe ich eine neue Bandage bekommen, die ich ziemlich gut finde. Zieht man morgens an wie eine Socke und ist nahe am Original. Für Leidensgenossen, es ist die Fußheberorthese "AFO" von der Firma "push braces" (www.push.eu).

Update 16.03.2018:
Am 14.03.2018 war es dann soweit, nach rund 8.5 Monaten hab ich in der Arbeit wieder eingestempelt und wieder Geld verdient.
Wegen der Frist, bzgl. Antrag auf Rente, welche mir die Krankenkasse gesetzt hatte, bekam ich dann nur noch die Aussage, das Ganze sei ein Irrtum gewesen. Na, herzlichen Dank auch.

So sehr mich die Nierenkolik auch ausgeknockt hat, für das Knie war die Pause gut. Mittlerweile lauf ich daheim quasi nur noch ohne Stützen rum und draußen hab ich sie auch nur noch zur Sicherheit dabei. Etwas Gartenarbeit ging schon, welche Freude, endlich aktiv wieder was machen zu können!

Vielen Dank auch für die vielen Kommentare und die aufbauenden Worte!

Update 30.03.2018:
Monatsende, ein neues Update und ich glaube langsam, aber sicher schauts wieder gut aus. Ich hab mal wieder einen Gehaltszettel bekommen, soweit bin ich also wieder in der Normalität angekommen und ja, das ist sehr schön!
Ich werde nun endlich auch wirklich zunehmend mobiler. Stützen brauche ich nun keine mehr. Im Garten bin ich schon fleißig Leitern rauf und runter geklettert. Die Hoffnung besteht also, dass irgendwann zumindest Klettersteige wieder gehen. Das Knie wird immer stabiler, abwinkeln funktioniert so bis etwa 90°. Noch zu wenig zum Fahrrad fahren, aber in der Nachsorge kann ich dank verkürzbaren Kurbeln fleißig daran arbeiten. Tja, das ist dann wohl auch mein Programm die nächsten Monate, trainieren, trainieren, trainieren.
Am Fußheber-Nerv hat sich nix weiter verbessert, der Schmerz ist also immer noch da, die Funktion nicht.

Update 08.04.2018:
Die von der Rentenversicherung bezahlte IRENA-Nachsorge mach ich übrigens bei der ZAR in München, am Heimeranplatz. Das ist sehr gut und bringt mich echt nach vorne. Die Physios sind sehr kompetent und hilfsbereit. Mit meinem Wissen von heute kann ich über die Reha in Bad Heilbrunn nur noch sagen, überwiegend Schrott. Wenn ich gewußt hätte, dass die bei der ZAR auch ambulante Reha mit Abholung anbieten, dann wäre das nicht nur aus fachlichen Gründen die eindeutig bessere Wahl gewesen.
Inzwischen konnte ich auch wieder ein wenig Fahrrad fahren. Das geht mit einer Kurbelverkürzung, auch "Invalidenkurbel" genannt, die ich mir über Ebay von der Firma "Brand Metallverarbeitung" besorgt habe. Die macht einen sehr wertigen Eindruck. Wie der Name schon sagt, kann man die Kurbel verkürzen und muss dann das Knie nicht so weit abwinkeln.

Update 16.04.2018:
Ich habe den Rollstuhl wieder abgegeben.

Update 29.04.2018:
Vorgestern war dann insofern ein interessanter Tag, weil ich quasi von einer Stunde auf die andere wieder normal eine Treppe hochlaufen konnte. Mit Handlauf versteht sich, aber über das rechte Bein aufstehen ging plötzlich wieder. Gehhilfen sind jetzt überhaupt kein Thema mehr.
Die nächsten zwei Wochen werde ich dann eine Schmerztherapie wegen der Nervenschmerzen an meinem Fuß machen. Da bin ich sehr gespannt, was mich da erwartet ...

Update 18.05.2018:
War nun also 2.5 Wochen zur Schmerztherapie in Tutzing. Sehr interessant auf alle Fälle. Zaubern können die natürlich auch nicht. Auch muss man aufgrund der anderen Patienten mit ihren teils extremen Erfahrungen und Schmerzkarrieren aufpassen, dass man nicht selber in einen Abwärtsstrudel gerät. Jedenfalls sind die Physiotherapeuten dort sehr engagiert und sie konnten mir zeigen, dass am Fuß eigentlich alle Funktionen noch da sind, ich kann sie nur nicht mehr richtig ansteuern. Ich muss halt schauen, dass ich durch viel Üben versuche, die Sache zu verbessern.
Ich konnte die Zeit gut nutzen, um mich körperlich dank Fitnessraum und Spaziergängen wieder etwas in Form zu bringen und so stolpere ich nicht mehr ganz so unrund durch die Gegend. Das Knie wird stabiler, aber es macht schon einen irgendwie "ausgeleierten" Gesamteindruck. Ich hatte jetzt auch mal den Mut, mir die ganzen Röntgen, MRT- und CT-Aufnahmen vom Unfalltag anzuschauen. Da waren die in Salzburg fleißig, ich hab quasi meinen ganzen Körper als Schnittbilder vorliegen. Teils wurden rein technisch echt "coole" Aufnahmen gemacht und 3D-Bilder gerendert. Schon beeindruckend, wenn es nicht das eigene Gestell wäre. Speziell das Knie muss wohl furchtbar ausgesehen haben.

Update 04.06.2018:
Nach dem Trainingslager in Tutzing ging es quasi direkt weiter nach Griechenland. Familienurlaub. Sehr gut. Mit all den Implantaten und Orthesen wird der Sicherheitscheck am Flughafen auch gleich nochmal interessanter, ich wurde prompt zur näheren Leibesvisitation ins Séparée geführt.
Die Kinder haben mich im Urlaub gut angetrieben, bin jetzt zu Fuß wieder okay unterwegs und schwimmen haut auch so leidlich wieder hin. Und hey, der aufmerksame Leser wird demnächst feststellen, dass ein Eintrag im Tourenbuch hinzugekommen ist. Okay, 150 Hm, aber Berg ist Berg.

Was bleibt also, Becken ist eigentlich wieder gut zusammengewachsen, ich muss mir demnächst überlegen, ob das Gestänge in meinem Rücken verbleiben soll oder nicht. Beim Knie gibt es demnächst eine "Jahresinspektion". Da es unter Last teilweise nach innen "wegploppt", fürchte ich, da kommt nochmal was. Am Fuß hat sich jetzt nicht so viel getan, wobei es vom "Feeling" und allgemeiner Körperwahrnehmung her schon noch mal etwas besser geworden ist.

Einen Buchtipp habe ich auch wieder, Tim Lobinger "Verlieren ist keine Option". Ihn hat das Schicksal zu einer ähnlichen Zeit wie mich ereilt, er geht aber äußerst positiv damit um.

Ach so, bei der Aufzählung meiner restlichen Leiden habe ich vergessen, die über Jahrzehnte kultivierte Hornhaut an der Fußsohle ist einer zarten und empfindlichen Babyhaut gewichen ... Autsch!

Update 07.07.2018:
Jetzt ist auch schon wieder ein Jahr rum. Mein erster Überlebenstag, mein erstes Jahr als Behinderter. Es gibt definitiv ein DAVOR und DANACH. Und ja, das war das tiefste Tal durch welches ich bisher musste. Speziell das zutiefst verstörende Gefühl beim Aufwachen in der Intensivstation von Salzburg ist mir noch lebhaft in Erinnerung. Absolut beängstigend, wenn man gar nicht weiß, wer man ist, wo man ist und woher diese Metallstangen vom Becken bis zum Fuß kommen. Sonst weiß ich ja von der ersten Zeit nicht mehr viel. Es dreht sich alles und gleichzeitig verlangen die Ärzte Entscheidungen, welche das restliche Leben doch entscheidend verändern können. Das Leben findet übrigens vor dem Tod statt, dessen bin ich mir jetzt sicher.
Das Jahr über hab ich viel gelernt, vieles leider zu spät. Manche Dinge welche mir widerfahren sind, haben sich mir erst im Nachhinein erschlossen, manches bleibt im Dunkeln. Wohin das alles führt, ich weiß es nicht. Aber keine Sorge, es geht mir gut.

Was aus mir als Bergsteiger wird? Ich weiß es nicht. Bisher hält sich die Sehnsucht nach allem Alpinen erstaunerlicherweise ziemlich in Grenzen. Wenn gleich ich mich vor dem aktuellen Geschehen in der Hinsicht auch ein wenig schütze. Manches vermisse ich auch definitiv nicht. Zum Beispiel ist mir der Wetterbericht grad ziemlich wurscht und ich kann ihn mir auch ganz entspannt angucken.

Ich hab weiterhin vor, das Protokoll hier etwas ausführlicher zu gestalten. Schon als Erinnerung für mich selber. Auch wenn es das Iliosakralgelenk am Kreuzbein regelrecht zertrümmert hat, ist der Beckenbruch das, was ich am wenigsten merke. Gut hin und wieder zwickt es und mit Astralkörper werde ich im Freibad auch nicht mehr glänzen können. Demnächst muss ich mich nochmal noch Murnau begeben. Die Entscheidung steht an, ob der Fixateur an der Wirbelsäule drin bleibt oder nicht.
In dem Zusammenhang stehen auch meine Nervenschmerzen am Fuss, die sind noch da, aber lange nicht mehr so schlimm, wie es mal war. Am Fuss rührt sich noch nicht viel, der Nerv ist noch nicht wieder unten angekommen. Jedoch hat man mir in Salzburg auch taube Fingerspitzen am jeweils kleinen Finger verpasst, durch zu lange Lagerung auf dem Ellbogen während der OP. Das hat sich jetzt gegeben. D.h. in 11 Monaten ist der Nerv vom Ellbogen bis zum kleinen Finger nachgewachsen.
Bleibt noch die Knieluxation. Da gab es jetzt eine erneute MRT. Die gute Nachricht, das hintere Kreuzband ist wieder da. Dieses sollte an einem gespannten Faden wieder zusammenwachsen und das hat es gemacht. Das vordere dagegen wurde wieder am Knochen befestigt und ist wohl nur als schleimiges Etwas erhalten geblieben. Die Kniescheibe ist immer noch halb ausgekugelt. Da muss noch etwas gemacht werden. Jedenfalls weiß ich jetzt, warum das alles so schwierig war und ist, wieder ins Laufen zu kommen.

Für alle, die sich in Sachen Peroneuslähmung oder Fußheberschwäche auf diese Seite verirrt haben, ich habe da eine neue Orthese entdeckt. Von Sporlastic das "FOOT UP", was im wesentlichen nur eine um den Knöchel getragene Bandage ist und über ein Gummiband den Fuss hochzieht. Eine Minimallösung, funktioniert aber sagenhaft gut. Wenn ich daran denke, was sie mir da in Murnau noch verpasst haben, das nimmt sich dagegen wie eine Ritterrüstung aus.

Update 19.07.2018:
Treppe hoch, ohne Handlauf! Aber nur hoch ...

Update 30.07.2018:
Ich absolviere grad wieder einen Ärzte-Marathon. In Murnau werde ich mich dann auch noch mal vorstellen. Tja, und der Termin für die nächste Knie-OP steht. Da es in Sachen Beweglichkeit nicht vorangeht, wird mal reingeschaut und dabei generell nochmal eine Schadensbilanz gezogen.
Meine Leistungsfähigkeit liegt derzeit bei rund 400 Hm und 6 km Strecke. Am Auerberg getestet. Die Trittsicherheit "is beim Deifi", wie man bei mir in der Heimat sagt.


Bleibt mir nur noch der Tipp, gehts in die Berge, aber fallts ned runter. Runterfallen ist nämlich eine besch... Erfahrung.


Alle Texte und Bilder so nicht anders vermerkt von Stephan Rankl.
www.sirdar.de - Kommentar

Kommentare zur Tour (Kommentar hinzufügen)


Name: Leidl
Datum: Tuesday 2018-05-22 17:29:57
Betreff: Durchhalten
Nachricht:
Servus Stefan und Familie,

ich habe deinen Unfall und Heilungsschritte verfolgt...
Bei den Verletzungen und wo du jetzt STEHST muasst a zacha Hund sei. Gratulation zu deinen bisherigen Genesungsmaraton!
Ich denke, dass die Zeit zu heilen zweitrangig ist, Hauptsache man kommt ins Ziel und deine Familie ist mit bei dir.

Wir denken weithin an euch.
Alle Gute

Leidl
Name: Karlheinz
Datum: Wednesday 2018-04-25 13:57:08
Betreff: Gute Besserung
Nachricht:
Hi Impi,

gute Besserung auch von mir. Habe schon ein paar Wochen nicht mehr nachgelesen - und siehe da - HALLELUJA - es geht bergauf (wenn auch erstmal nur sprichwörtlich)

Radltouren mit den Kids sind also in greifbarer Nähe!

Viel Erfolg beim Zammwachsen noch!!

Grüße Kh
Name: Juergen_L
Datum: Monday 2018-04-23 12:04:29
Betreff: Gute Besserung
Nachricht:
Hallo Stephan,
ich lese Deine Seite schon seit langer Zeit und kann glaube ich durchaus sagen, Deine Seite hat meinen Weg in die Berge begleitet. Jetzt habe ich nach einiger Zeit mal wieder reingeschaut und von Deinem Unfall gelesen.

Von mir die besten Genesungswünsche und ich drücke die Daumen, dass alles wieder möglichst gut wird.

Ich habe mir in ähnlicher (nicht ganz so schlimmer) Situation kleine Ziele gesteckt. Dinge auf die ich mich freute, die ich gerne machen wollte, die aber bei dem jeweiligen Gesundheitszustand noch nicht ganz möglich waren. Natürlich dann auch mit \"Datum\".

Gute Besserung und Kopf hoch!

Viele Grüße

Jürgen
Name: Hannes (grubenkar)
Datum: Tuesday 2018-04-17 15:44:48
Betreff:
Nachricht:
Hallo Stephan,
durch Zufall mal wieder auf deine Seite geschaut....und
dann das.
Bin auch grad auf Reha und lerne gerade das Internet
auswending...aber ned so schlimm, nur der Meniskus.
Tut mir echt leid, dein Unfall...du kommst schon
wieder auf die Beine!!!
Ich hatte 1998 auch einen üblen Absturz im Schüsselkar...
mit Helirettung (ohne Handy damals)
Sprungelenksluxationsbruch...also Kopf hoch
Hannes
Name: Woife
Datum: Wednesday 2018-04-04 21:26:55
Betreff: Schön zu hören!
Nachricht:
Hallo Imppi,

schön zu hören von deinen Fortschritten! Wenn du Fahrradfahren kannst, nehmen wir dich gerne mal mit auf eine Tour - hab da jemanden der ganz wild aufs Radln ist und auch noch keine 200km mit einem 30er Schritt schafft ;-)

VG
Woife
Name: Saesch
Datum: Thursday 2018-03-15 07:24:38
Betreff: immer den nächsten Schritt machen...
Nachricht:
Servus Stephan,
nachdem dein letztes Update etwas verzweifelt geklungen hatte, schreib ich hier auch kurz etwas...nicht aufgeben, ok? Ich kann mir schon vorstellen, dass es einen immer wieder niederstreckt, wenn es so viele Rückschläge gibt...aber unser Körper ist extrem anpassungsfähig...bleib drauf und geh jeden Tag einen Schritt auf dein Ziel zu...und bleib positiv...so schwierig es auch oft sein wird, bemüh dich, die \"guten\" Dinge (du kannst, wenn auch nicht wie früher, gehen und das wird alles noch viel besser) anzusehen, statt auf die Probleme zu starren...Kopf hoch...das wird...du wirst sehen... :-)

“If my mind can conceive it, and my heart can believe it - then I can achieve it.” (Muhammed Ali)

Ganz liebe Grüße, Saesch
https://maeshup.wordpress.com/
Name: Leo
Datum: Tuesday 2018-02-27 18:56:39
Betreff: Gute Besserung!
Nachricht:
Tut mir leid das von Dir zu lesen, ich drück dir die Daumen auf eine schnelle und vollständige Heilung!
Name: Adi Witt
Datum: Friday 2017-11-17 15:07:10
Betreff: Gute Besserung
Nachricht:
Servus Stephan,
gute Besserung. Vielleicht gibts ja dann wieder schöne Berichte von Dir.

Vorsorglich (für den Fall dass nicht alles wieder 100%ig wird) solltest Du den Unfall bei privaten Unfallversicherungen melden, etwa bei der vom Alpenverein (falls Du Mitglied bist):

www.alpenverein.de/aktuelles-info/versicherungen/bergungskosten-unfall-bergunfall-versicherung_aid_10256.html

Herzliche Grüße
Adi
Name: Matters
Datum: Friday 2017-10-13 11:02:52
Betreff: gute Besserung
Nachricht:
Servus Stephan,

alles Gute weiterhin und eine hoffentlich vollständige Genesung, damit es in absehbarer Zeit wieder mal was von Dir und deinen Touren zu berichten gibt.

Matters
Name: Stefan
Datum: Friday 2017-10-13 10:04:40
Betreff: gute Besserung
Nachricht:
Hallo Stephan,
Wünsche Dir hiermit gute Genesung. Hatte 2002 auch so einen Unfall (Polytrauma mit Beckenbruch und anderen Brüchen). Bin soweit wieder hergestellt, und weiter aktiv am Berg. Das wird definitiv wieder, wir Bergsteiger haben halt Überlebenswillen!
Beste Grüße
Stefan
rrroehrig@web.de
auf bergtour.ch user
123kraxln
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