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Tibet - Shigatse
Lhasa (Friendship-Highway mit dem Fahrrad)
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Gyantse - Baipa

11.10.03 - Ein Ruhetag in Gyantse

Gyantse-Kumbum

Heute stand Gyantse auf dem Programm und damit ein dringend notwendiger Ruhetag. In Gyantse ist vor allem das Kloster mit dem Kumbum berühmt. Dies ist sozusagen ein begehbares 3D-Mandala. Sechs Stockwerke hoch und auf jeder Etage unzählige kleine Kammern mit Gottheiten und Buddha-Figuren. Von ganz oben hat man einen schönen Blick über Gyantse. Natürlich hatte ich vergessen oben vom Dach Fotos zu machen und als ich noch mal reingehe knöpft mir ein Mönch 10 Yuan für die Foto-Erlaubnis ab. Beim ersten Mal konnte ich mich noch vorbeischleichen. Ansonsten gibt es im Kloster nicht mehr allzu viel zu sehen. Tempel im Kumbum Die Befestigungsmauer ist ziemlich zerstört und die anderen Gebäude werden erst nach und nach wieder aufgebaut. Die Zerstörung ist alles ein Werk der Chinesen.

Gyantse-Dzong

Mein nächster Weg führt mich hoch zum Gyantse-Dzong, einer Burg auf einem Hügel über der Stadt. 1903 fiel eine britische Militär-Expedition unter der Führung von Francis Younghusband in Tibet ein. Mit modernen Maschinengewehren ausgerüstet, griffen sie die mit Schwertern bewaffneten tibetischen Verteidiger an. Die Verluste auf tibetischer Seite waren verheerend. Klar, dass die Chinesen das für ihre eigene Propaganda ausnutzen. So findet sich im Dzong die "Memorial Hall of the Anti-British", wo in bester Goebbels-Manier die tibetischen Kämpfer als heroische Verteidiger des chinesischen Vaterlandes verklärt werden. Ein paar Meter weiter wird dann versucht darzustellen, welch grausame Sitten doch in Tibet herrschten, bevor es von den Chinesen "befreit" und "zivilisiert" wurde. Mit welchen barbarischen Methoden dann die Chinesen zu Werke gingen, kann man z.B. in der Autobiographie des Dalai Lama nachlesen.

Blick über Gyantse

Ich stieg weiter bis zum höchsten Punkt der Festung, wo man einen schönen Blick über die Umgebung hat. Besonders das Kloster mit seinem Festungsring sieht von hier sehr beeindruckend aus. Ich war völlig allein dort oben und genoss das alles sehr.
Gyantse ist ziemlich geprägt von den Jeeptouristen, die hier abends gegen fünf einfallen, am nächsten Tag morgens schnell durch das Kloster hetzen und dann weiterfahren. Alle die mit Touristen zu tun haben, unterwerfen sich diesem Rhythmus. Jedenfalls glaub ich, war ich von 11-17 Uhr die einzige Langnase in der ganzen Stadt.

12.10.03 - 6. Etappe: Auf der Rennstrecke nach Shigatse

Etappe Gyantse - Shigatse
Kilometer 95 km
Höhenmeter 0 m

Erste Überraschung heute, die Straße war durchgehend bis Shigatse geteert und es ging immer bergab. Ich kam also verhältnismäßig schnell voran. Der Weg führte durch die Kornkammer Tibets. Schön zwar, aber das konnte nicht mit den vorhergehenden Etappen mithalten. Man ist ja verwöhnt.

Gyantse

Irgendwann kam dann von hinten etwas angerauscht. Ein Geräusch, welches ich bisher in Tibet noch nicht gehört hatte. Und siehe da, ein Typ auf einem Mountain-Bike, ein Norweger namens Per. Der ist ziemlich leicht unterwegs, da er einen Begleitjeep gemietet hat, der ihm das Gepäck hinterherfährt. Dagegen wirke ich mit meinen Aufbauten wie ein schwerfälliger Schlachtenkreuzer. Eigentlich war sein Plan jedoch, es auch so wie ich zu machen. Er verbrachte jedoch viel Zeit damit, in Kathmandu ein Gruppenpermit für Tibet zu bekommen und noch mehr, um in Lhasa aus dem Gruppenvisa wieder rauszukommen. Was er aber dann nicht geschafft hat. Um überhaupt noch zum Radeln zu kommen, hat er jetzt einen komischen Deal mit seinen anderen Kollegen, die alle auf denselben Gruppenvisa stehen, jedoch nur mit Jeep unterwegs sind. Sie treffen sich jetzt vor dem Checkpoint in Baipa und an der Grenze zu Nepal, um durchgelassen zu werden. Hört sich kompliziert an, da gefällt mir meine Lösung des "Tibet-Problems" doch wesentlich besser.
Per stieg in einem absoluten Luxushotel ab, er zeigte mir später Bilder auf seiner Digi-Cam vom Whirlpool! Ich wollte etwas rustikaleres finden, aber alle Hotels, welche im Lonely-Planet standen, gab es nicht mehr. So landete ich auch in einer etwas vornehmeren Absteige für 180 Yuan.
Abends trafen wir uns wieder im Tenzin-Guesthouse. War gemütlich und Per erzählte mir, was in Lhasa noch so für Typen rumhängen. Lustig wurde es, als plötzlich so an die 15 Tibeterinnen älteren Semesters das Lokal stürmten und so was wie ein Stammtischtreffen veranstalteten. Es ging feuchtfröhlich zu, mit viel Gesang und das gelbe Zeug, was die soffen muß definitiv etwas derb alkoholisches gewesen sein.

13.10.03 - Ruhetag in Shigatse

Tashilhunpo Heute war es also weit, dass ich dem PSB mal meine Aufwartung machte. Schon am Eingang hängt eine Preisliste, was die verschiedenen Dienstleistung so kosten, also Visa verlängern, Gruppenvisa aufspalten und Alien Travel Permit's. Der Offizier gab mir das ATP auch ohne groß nachzufragen. Nur als ich sagte, ich möchte das ganze mit dem Fahrrad machen, verlangte er 100 Yuan mehr und somit insgesamt 150 Yuan. Da bekommt man unweigerlich den Eindruck, die machen hier nur so einen Zinnober, um Touris abzocken zu können. Auf alle Fälle kann jetzt an Checkposten kommen was will, ich hab freie Durchfahrt bis zur Grenze nach Nepal.

Gebetsmühlen

Danach besichtigte ich den Tashilhunpo, welches der Sitz der Panchen Lamas ist. Ehemals Konkurrenten der Dalai Lamas, hatte der 10. das Pech, den Chinesen in die Hände zu fallen und wurde von denen zur Marionette degradiert. Sein Nachfolger, der 11. Panchen Lama dürfte so ziemlich der jüngste politische Gefangene dieses Planeten sein. Die ganze Geschichte hatte den "Vorteil", dass der Tashilhunpo von chinesischer Zerstörungswut verschont wurde. Die ganze Anlage ist somit ziemlich beeindruckend. Es gab hier in Shigatse auch mal eine Festung, welche große Ähnlichkeit mit dem Potala hatte (siehe H. Harrer's "Rückkehr nach Tibet"). Davon stehen aber heute nur noch die Grundmauern.
Abends fand ich tatsächlich noch einen Bäcker und war glücklich, nach dem das Essen vorher bei einem Chinesen nicht so toll war. Tomatensuppe bedeutet hier, einfach Tomatenstücke in ein Wasser reinschnippseln und warm machen.

14.10.03 - 7. Etappe: Nächstes Ziel, Everest!

Etappe Shigatse - Beginn Anstieg Lagpa La
Kilometer 79 km
Höhenmeter 300 m

On the road again

Ab jetzt geht es endgültig Richtung Himalaya! Dauerte nicht lange, da ich Shigatse verlassen hatte und schon ging wieder die Schotterpiste los. Leider war heute für tibetische Verhältnisse sehr viel Verkehr und das immer schubweise. So dass ich minutenlang in einer Staubwolke fuhr. Die Fahrt ging durch tibetisches Hochland, so wie man sich das vorstellt. Mittag machte ich in Chemo, einem Straßendorf mit Truck-Stops. Erste Wahl ein Tibeter auf der rechten Straßenseite. Dort wurde ich aber nur blöd angestarrt und angegrinst, woraufhin ich auch gleich wieder flüchtete. Auf der linken Straßenseite gab es einen Chinesen. Dort waren die Leute etwas zuvorkommender und es gab super Essen, was will man mehr. Eigenartig, aber auch viele Tibeter speisten hier. Qualität setzt sich halt überall durch. Mein Camp baute ich in einem Flußtal am Beginn des Anstieges zum Lagpa La auf. Hier war es ziemlich windig und staubig, ansonsten aber sehr schön.

15.10.03 - 8. Etappe: Lagpa La

Etappe Lagpa La - Sakya
Kilometer 79 km
Höhenmeter 740 m

Auf dem Weg zum Lagpa La

Morgens war es saukalt und um Punkt neun Uhr waren wieder die ersten zwei da, um mir beim Packen zuzuschauen. Der Weg hoch zum Lagpa La war schön. Zwischendurch wollten ein paar Chinesen, die mit ihrem Jeep liegengeblieben waren, doch tatsächlich ihren Reifen mit meiner Luftpumpe aufpumpen. Dauerte etwas, bis ich deutlich machen konnte, dass das Ventil nicht passt. Weiter oben dann eine angenehme Überraschung, asphaltierte Straße! Warum ausgerechnet hier im Niemandsland? Weil die Kilometersteine am Wegesrand hier 5000 km erreichen, Startpunkt ist Peking. Genau bei 5000 steht ein Denkmal. Da wäre es wohl schon eine Schande, wenn davor nur eine Dreckstraße vorbeiführen würde. Zum Mittagessen fand ich mal wieder einen urgemütlichen Truckstop. Hier gab es das beste Essen, seit ich in Tibet bin, Fleisch mit Kartoffeln.

Truckstop

Am Lagpa La gibt es zwar nicht die ganz große Aussicht, dafür ist der Paß relativ einfach zu radeln. Danach geht es runter bis zur Wegabzweigung nach Sakya. Hier wollte ich in einem Guesthouse pennen, welches hier laut "Tibet Overland" existieren sollte. Dem war aber nicht so. Man sieht hier öfters am Wegesrand größere Gebäudekomplexe, welche alle am Eingang ein Schild haben, das einem umgedrehten Hippiesymbol gleicht. Das sind Camps für Straßenarbeiter, aber dort wurde ich abgewiesen. Also fuhr ich gleich noch den 25 km langen Abstecher nach Sakya hoch. Alles war neu geteert und so kam ich schnell voran.

Lagpa La

Die Bewohner dieses Tals waren sehr aggressiv darin, mich zum Stoppen zu bringen und zwar egal ob jung oder alt. Das die Leute neugierig sind kann ich ja verstehen. Aber wenn ich immer gleich halten würde, wäre ich hier noch nicht weit gekommen. Zumal ich auch feststellen mußte, dass viele die Unsitte draufhaben und erst mal die Hand aufhalten, um irgendwas zu ergattern. Hier langten die Leute einfach in den Lenker oder zogen hinten an der Tasche. Irgendwann flippte ich dann doch aus und zwei Grazien durften mein gesamtes Repertoire an englischen Flüchen über sich ergehen lassen. Kurz vor Sakya mußte ich auch noch an einen Trupp von mindestens 30 Leuten vorbei. Ich ahnte schon böses, aber letztendlich machten sie sich nur einen Spaß daraus, mich den Hügel hochzuschieben. Auch nicht schlecht.
So kam ich endlich in Sakya an und hier haben die Chinesen wohl einiges vor, überall werde neue moderne Gebäudekomplexe gebaut und mein Reiseführer stimmte überhaupt nicht mehr. Sieht auf alle Fälle so aus, als ob die Chinesen mehr Touristen hier hochlocken möchten. Ein Hotel fand sich nach ein wenig rumfragen in einem Hinterhof (Fuwuzhinan). Ist ganz nett, auch neu und vor allem sauber. Dusche gibt es keine, kostet aber nur 35 Yuan.
So unterschiedlich sind die Klöster dieser Welt eigentlich gar nicht, es findet sich immer ein Klosterrestaurant. Und was muß ich sehen, ein paar Mönche mit einer riesigen Packung Chips, die sich gerade ein Karate-Video reinziehen.

16.10.03 - 9. Etappe: Halbzeit Gyatso La

Etappe Sakya - Lhatse - Halbzeit Gyatso La
Kilometer 67 km
Höhenmeter 400 m

Sakya

In Sakya residiert ein ehemals sehr einflussreicher buddhistischer Orden. So haben hier alle Häuser eine andere, graulastige, Bemalung als im Rest Tibets. Das zugehörige Kloster gleicht eher einer Trutzburg. Schon sehenswert, aber der Großteil muß erst wieder aufgebaut werden. Am gegenüberliegenden Hang standen früher unzählige kleine Tempel, davon geblieben sind drei Stupas.
Gebetsmühle Kloster Sakya Einer meiner Tibet-Radler-Alpträume sieht so aus, ich fahr an einer Schule vorbei, die Kids haben gerade Pause und stürzen sich auf mich. Dies wurde bei der Abfahrt aus Sakya Wirklichkeit. Eine Hundertschaft 3-Käse-Hochs schaute mich mit großen Augen an und bewegte sich auf mich zu. Irgendwie kam ich aber doch unbeschadet davon. Butterkerzen Kloster Sakya Auf dem weiteren Weg nach Lhatse passierte mir das gleich nochmal. Dieses Mal machte ich mir einen Spaß daraus, die Kinder immer rankommen zu lassen, um danach in die Pedale zu steigen. Die Ausdauernsten durften dann zur Belohnung mich und mein Fahrrad inspizieren. Ich kam dann wieder zu einer tibetischen "Aufstiegshilfe", da mich die Kids den nächsten Hügel hochschoben.
Lhatse ist ziemlich modern und hier gibt es wieder alles. Sogar ein Schild mit "Warmer Dusche" hab ich gesehen. Ich konnte widerstehen. Hätte eh keinen Zweck, 100m on-the-road und ich bin wieder eingestaubt. Das erste tibetische Restaurant auf der rechten Seite, wenn man von Shigatse kommt ist klasse.
Die nächste Etappe ist der höchste Paß, den es am Friendship Highway zu überwinden gilt, der Gyatso La. Da wollte ich noch Vorarbeit leisten und fuhr noch so ca. 15 km in Richtung Paß hoch. Es geht immer in einer Schlucht hoch. Campingplätze sind eher rar. Irgendwann fand sich ein Plätzchen mit Wasseranschluß in einer kleinen Seitenschlucht.

Unheimliche Begegnungen der kindlichen Art

17.10.03 - 10. Etappe: Gyatso La ... Ufff

Etappe Gyatso La - Baipa
Kilometer 67 km
Höhenmeter 700 m

Tibet Morgens war es saukalt. Der Bach neben meinem Zelt war nahezu komplett gefroren. Ich benötigte 2h bis ich die morgendliche Prozedur mit Frühstück und Packen geschafft hatte. Nach weiteren 4h stand ich am Gyatso La, mit 5220m der höchste Paß zwischen Lhasa und Kathmandu. Der Weg dorthin war durchweg steil, dank fortschreitender Akklimatisierung mußte ich aber nicht mehr ganz so oft Pause machen, wie bei den Pässen zuvor. Unterwegs betrieb ich Gepäckerleichterung, indem ich überflüssigen Brennstoff für meinen Bezinkocher an eine Tibeterin gegen die Erlaubnis ein Foto von ihr machen zu dürfen eintauschte. Oben am höchsten Punkt traf ich auf vier Münchner, die mit Jeep Richtung Everest Basecamp unterwegs waren. Ich muß wohl einen mitleiderregenden Eindruck gemacht haben, da sie mich gleich mit Bananen versorgten. Als nächster kam ein Italiener und das Spielchen ging von vorne los.

Gyatso La

Auf den Weg runter hatte ich mich schon gefreut, wurde aber mit einer üblen Schotterpiste arg enttäuscht. Dauerte nicht lange und die logische Konsequenz folgte, ein Platten. Spürbar bergab ging es leider nie, so mußte ich dank Gegenwind auch runter noch treten. Als ich wieder auf 4500m angelangt war, rückte die Himalaya-Kette mit Everest ins Bild.
Kurz vor acht war ich völlig fertig und endlich in Baipa angekommen. An der Hauptstraße ein Guesthouse, optimal. Ein Bett mit vier Wänden drumherum, was will man mehr. Hab dann auch beschlossen, morgen einen Ruhetag einzulegen, irgendwas ist am Fahrrad nicht in Ordnung. Irgendwas am Antrieb gibt fürchterliche Geräusche von sich.
Beim Abendessen verschenkte so ein dämlicher Holländer Zigaretten an 10jährige, die diese natürlich prompt an Ort und Stelle rauchten. Auf die Frage, ob er das für sinnvoll hält, zuckte er nur mit den Schultern und meinte, wenn nicht von ihm, bekommen sie die Zigaretten ja eh von anderen. Genau, von anderen dämlichen Touristen. Da braucht es einen auch nicht zu wundern, wenn viele Tibeter am Friendship-Highway diese elende Handauf-Mentalität sich zu eigen gemacht haben.

Auf den Weg nach Baipa


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