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Nepal 2001 - www.sirdar.de


Nepal 28.02.01 - 30.03.01

Gebietsübersicht: Nepal


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Vorgeschichte

Es muß ein ganz besonderer Tag gewesen sein, als sich Hias und Woife dazu entschlossen, den nächsten Urlaub in Nepal zu verbringen. Ob sie damals noch Mitstreiter eingeplant hatten, ist mir nicht bekannt. Auf alle Fälle ergab es sich, das irgendwann Flo mit von der Partie war und bald darauf Stevca. Fehlt nur noch einer und auf den konnte man sich erst durch teaminterne Ausscheidungswettkämpfe einigen, die hauptsächlich mit Erpressungsmethoden ausgefochten wurden. Tja, und so kam ich ins Spiel. Blöderweise war ich zu dem Zeitpunkt gar nicht so sicher, ob ich für den fraglichen Zeitraum überhaupt Urlaub bekommen würde. Ich hatte mich entschieden, bei einer neuen Firma anzufangen. So kam es, dass ich gleich am zweiten Tag nach Arbeitsantritt den Urlaub klar machte. Aber das hab ich bisher immer so gehandhabt, von daher alles im Lot.
Das Dreamteam hatte sich also gefunden, jetzt galt es nur noch, sich auf ein Ziel zu einigen. Nepal mag zwar klein sein, aber für Bergsüchtige, wie wir es nun mal sind, gibt es tausende von Anlaufpunkten. Heiße Diskussionen waren das. "Ich will auf einen 6000er", "Ich will sehen wie eine Banane wächst", "Ich will den Dschungel sehen", "Ich will einen richtigen Trek machen", "Kala Pattar, ich will auf den Kala Pattar". So viele "ich will", da war es nicht einfach, sich auf eine gemeinsame Linie zu einigen. Ein Wunder, dass wir überhaupt von München-Franz-Josef-Strauß abgehoben sind. Heiß umfochten, der Startpunkt unserer Reise. Phaplu, Jiri, Tumlingtar oder Lamidanda so waren unsere Alternativen. Jiri war zu weit weg, Phaplu erschien als zu langweilig. Der Weg von Tumlingtar nach Lukla war mit 10000 Höhenmeter zu anstrengend. Also entschieden wir uns für Lamidanda als Startpunkt unseres Treks. In erster Linie wohl, weil keiner ein Argument dagegen wußte.
Blieb noch die Ausrüstungsfrage. Deo contra Minispaten. Deo gegen den Körpergeruch, Minispaten um seine Hinterlassenschaften vergraben zu können. Beides absolut nicht essentiell. Im Gepäck war dann trotzdem beides.
Gut gerüstet konnte es also losgehen. Blieben noch die guten Wünsche von den Arbeitskollegen, ("In Nepal gibts Maoisten, die haben schon ein paar Raubmorde begangen"), einem DAV-Bergführer ("Bei uns hats jeden Tag geschneit, geschlossene Schneedecke, kein Spaß") und der Florian machte auch noch Panik wegen Malaria. Das wir alle eine Lungenödem bekommen würden war eh klar. Dermaßen gesegnet konnte ja gar nix mehr schiefgehen. Okay, ein Flugzeug kann immer mal vom Himmel fallen. Na dann kann es ja losgehen, mit unserem Trip nach Nepal ...

Nach Ankunft in Kathmandu ließen wir uns also mit einem Flieger in Lamidanda absetzen. Natürlich hatten wir nicht auf der Rechnung, dass es erst im Khumbu-Tal Lodges gibt. Die fünf Tage bis dahin mußten wir uns bei Bauern einquartieren. Von Namche Bazaar ging es zunächst ins Gokyo-Tal, wo wir den Gokyo Ri (5340 m) und Ngozumpa Tse (5553 m) bestiegen. Unser nächster Weg führte uns hoch ins obere Khumbu-Tal, wo wir aber nicht dem Touristenstrom Richtung Everest-Basecamp und Kala Pattar folgten, sondern ins Chukhung-Tal wanderten. Von hier schafften wir den Chukhung Tse (5867 m). Danach ging es zurück nach Lukla, wo wir wieder zurück nach Kathmandu flogen.


Übersichtskarte


Informationen

In Kathmandu stiegen wir im Tibet-Guest-House ab, welches ich hier sehr empfehlen kann. Zur Planung empfehlen sich die Führer von Lonely-Planet "Nepal" und "Trekking in the Nepal Himalaya". Inlandflüge kann man über eine der vielen Reiseagenturen in Thamel / Kathmandu problemlos organisieren. Meist auch schon vorab über Internet. Für Nepal benötigt man ein Visum, welches man aber problemlos bei der Einreise erhält. Desweiteren benötigt man Permits für den Sagarmatha-Nationalpark (Everest), die es in Kathmandu gibt.
Der Trek von Lamidanda bis nach Kharikhola war zum Zeitpunkt unserer Reise touristisch nicht erschlossen. Man benötigt entweder Zelt oder frage bei den Einheimischen wegen einem Dach für die Nacht. Natürlich gegen Bezahlung versteht sich! Auf der Trekking-Autobahn ins Solo-Khumbu angelangt hat man kaum Probleme, überall gibt es Lodges, wo man auch gute Verpflegung erhält. Zelten ist hier längst nicht mehr notwendig.
Bezüglich Ausrüstung, es kann Anfang März v.a. nachts noch empfindlich kalt werden. Tagsüber herrschen je nach Wind meist angenehme Temperaturen. Man sollte also von -10°C bis 20°C ausgerüstet sein. Das Wetter war bei uns vormittags meist strahlend schön, nachmittags zogen Wolken auf und es kam hin und wieder zu Schneeschauern.
Bei den von uns bestiegenen Bergen benötigt man keine zusätzliche spezielle Ausrüstung, dafür aber einen guten Orientierungssinn.


Zeittafel

28.02.01Abflug mit Qatar Airways über Doha
01.03.01Ankunft in Kathmandu
02.03.01Kathmandu: Organisation und Durbar Square
03.03.011. Trekking-Tag: Flug mit Yeti-Airline nach Lamidanda, Trek bis Robua
04.03.012. Trekking-Tag: Robua - Aiselukharka, Unterkunft bei Familie
05.03.013. Trekking-Tag: Aiselukharka - Lokhim, Übernachtung bei Bauern auf der Terrasse
06.03.014. Trekking-Tag: Lokhim - Waku, Unterkunft in einem Rohbau
07.03.015. Trekking-Tag: Waku - Kharikola, die erste Lodge
08.03.016. Trekking-Tag: Kharikola - Chutok, schlechtes Essen in Chutok setzt die halbe Crew ausser Gefecht
09.03.017. Trekking-Tag: Chutok - Chaurikharka
10.03.018. Trekking-Tag: Chaurikharka - Namche Bazaar, Hermann Helmers German Bakery!
11.03.01Akklimatisierung in Namche Bazaar, Everest zum ersten Mal gesehen
12.03.019. Trekking-Tag: Namche Bazaar - Phortse Tenga, Ama Dablam, Gokyo Tal
13.03.0110. Trekking-Tag: Phortse Tenga - Dole
14.03.0111. Trekking-Tag: Dole - Machermo, ich habe leichte Höhenkrankheit
15.03.01Akklimatisierung in Machermo
16.03.0112. Trekking-Tag: Machermo - Gokyo, Besteigung des Gokyo Ri (5340 m)
17.03.01Gokyo, Besteigung des Ngozumpa Tse (5553 m)
18.03.01Gokyo, 2. Besteigung des Gokyo Ri (5340 m)
19.03.0113. Trekking-Tag: Gokyo - Phortse
20.03.0114. Trekking-Tag: Phortse - Pheriche
21.03.0115. Trekking-Tag: Pheriche - Chukhung
22.03.01Chukhung, Besteigung des Chukhung Tse (5867 m)
23.03.0116. Trekking-Tag: Chukhung - Tengboche, Wanderung entlang der Ama Dablam
24.03.0117. Trekking-Tag: Tengboche - Namche Bazaar
25.03.0118. Trekking-Tag: Namche Bazaar - Phakding
26.03.0119. Trekking-Tag: Phakding - Lukla
27.03.01Lukla, Rückflug nach Kathmandu
28.03.01Kathmandu
29.03.01Kathmandu, Bakthapur
30.03.01Rückflug


Berge, Berge, Berge

Genau, wegen den Bergen sind wir überhaupt erst nach Nepal geflogen. Für angehende Extrembergsteiger wie wir es sind, ist das Dach der Welt gerade hoch genug ;-) Nun ja, unsere Ziele machen sich gegen die Bergriesen, die sonst so im Khumbu rumstehen richtig klein aus. Sind zwar alles 5000er was wir so bestiegen haben, aber man steht halt dann vor einer riesigen Wand, die noch mal so an die 3000m höher ist. Sehr eindrucksvoll kann man da nur sagen.
Allen voran natürlich der Everest. Wir hatten des öfteren Gelegenheit, die Hauptroute von Süden zu studieren. Genfer Sporn, Südsattel und Südgipfel, dann der Hillary Step. Der eindruckvollste Berg, der im Khumbu so rumsteht, dürfte allerdings die Ama Dablam sein. Bestückt mit Hängegletschern steht sie da, von allen Seiten erscheint sie unannahbar. Jedem Land sein Matterhorn. Ama Dablam bedeutet "Mutter Schatzkästchen". Mit dem Schatzkästchen ist dabei ein Hängegletscher gemeint, der wie ein Amulett um den Gipfel wirkt.

Zurück zum Thema, zu den Bergen die wir bestiegen haben. War auf alle Fälle eine wertvolle Erfahrung hinsichtlich Akklimatisierung. Für meinen Fall kann ich behaupten, dass ich rechtzeitig als die Gipfel anstanden, in einer guten Verfassung war. Natürlich ist man auf 5000m etwas langsamer unterwegs als gewohnt und alle 10m ist eine Pause fällig, aber ich stand auf 5800m ohne dass es mir den Schädel zerriß oder ich einen Schwindelanfall nach den anderen gehabt hätte. Richtig Probleme mit der Höhe hatte ich nur einmal auf 4400m. Diese gingen aber nach einem Akklimatisierungstag auch schnell weg.
Nun den, kommen wir zu "unseren" Bergen. Ich werde versuchen, mich auf die Fakten zu beschränken. Die Aussicht war in allen Fällen einfach zu gigantisch, als dass man sie mit Adjektiven auch nur annähernd beschreiben könnte. Auf alle Fälle hatte man die Gelegenheit, das mitgebrachte Filmmaterial enorm zu reduzieren. Der Gokyo Ri ist der erste Hügel über Gokyo. Ein breiter Pfad führt auf den Gipfel. Abgesehen von der Höhe ist die Besteigung unschwierig. Gokyo selber liegt auf 4800m, der Gipfel ist 5357m hoch. Die 500m Höhenunterschied sind bei guter Akklimatisation in einer Stunde zu bewältigen. Oben erwarten einem jede Menge Gebetsfahnen und das Dach der Welt. Cho Oyo - Südwand, Everest, Lhotse, Nuptse, Makalu und der ewig lange schuttbedeckte Ngozumpa-Gletscher.

Der Ngozumpa Tse, auch Knobby View, kann man schon beim Aufstieg nach Gokyo erkennen. Allerdings mit seinen 5553 m verschwindend klein vor der Cho Oyu Südwand. Diesen Berg hab ich unabhängig von den anderen erstiegen. Unser eigentliches Ziel waren eigentlich die Nameless Fangs. Jedoch mußte ich beim Anmarsch zum Ngozumpa Tse feststellen, dass der Hauptgipfel unseres Wunschziels ohne Kletterausrüstung nicht zu machen ist. In Anbetracht des gigantischen Erlebnisses Ngozumpa Tse konnte ich dann den Rest der Crew diesen Berg schmackhaft machen.
Man erreicht den Berg, in dem man von Gokyo der Moräne in 2h bis zum fünften See folgt. Hier erhebt sich über weitere fünfhundert Meter der Knobby View. Der Weg führt zuerst entlang eines Grates bis zu einem Schuttfeld. Von hier geht es links haltend in leichter Kletterei (1) bis zum Gipfel. Anfangs am fünften See sind Wegspuren zu erkennen, im Schuttfeld markieren Steinmännchen den besten Weg. Am vermeintlichen Gipfel muß man erkennen, dass eine weitere Felsnadel Richtung Cho Oyu noch ein paar Meter höher ist. Wegen zu starken Windes verzichtete ich darauf, da der Grat zur Felsnadel doch recht ausgesetzt ist. Wolfgang und Florian sind anderntags auch auf diese Spitze. Laut deren Aussage ist die Kletterei "halb so schlimm". An Aussicht gibt es die ganze Südwand des Cho Oyo, sowie den Everest samt Südsattel zu bewundern. Insgesamt benötigte ich für die ganze Tour von Gokyo hin und zurück sieben Stunden.

Der Chukhung Tse (5857 m) liegt im Chukhung-Tal und ist die höchste Erhebung eines Felsgrates in Front der Nuptse-Lhotse-Südwand. Man geht von Chukhung Richtung Chukhung Ri, an dessen rechten (östlichen) Flanke immer am Gletscher entlang, bis man ein kleines Plateau erreicht. Der höchste Punkt des Chukhung Tse ist nun zu erkennen. Man darf nicht den Fehler machen und zu früh versuchen den Grat zu erreichen. Vom Gipfel ziehen mehrere Schuttrinnen den Berg herab. Ich wählte diejenige, die direkt zum Gipfel führt. Diese ist jedoch sehr steil und zum Teil sehr schwer zu begehen. Der höchste Punkt ist über eine luftige Kraxelei zu erreichen. Ein besserer Weg ist unser Abstiegsweg. Von unten ist deutlich eine Rinne zu erkennen, die zu einem Sattel rechts des Gipfels führt. Hier in leichter Kletterei (1) zum Gipfel. Man steht direkt vor der Nuptse-Lhotse-Wand. Island Peak (Imja Tse), Ama Dablam sind weitere Höhepunkte. Beim Rückweg überraschte uns schlechtes Wetter und bald standen wir im Schneefall.


Das Leben in der Lodge

Eine der Hauptfragen, die uns vor der Reise quälten ist, wie man sich das tägliche Leben in der Lodge vorstellen darf. Man hört und liest ja nicht gerade nur positive Dinge über die Unterkünfte, die einem in Nepal erwarten. Läuse und Flöhe in den Betten und grausiges Essen sind nur einige Unannehmlichkeiten mit denen man angeblich konfrontiert wird. Nun ganz so schlimm ist es meistens nicht und wenn doch, die nächste Lodge ist bestimmt nicht weit.
Gut ich möchte hier einmal einen typischen Tag in einer Lodge beschreiben. Nehmen wir einen Akklimatisierungstag, sagen wir in 4400 m Höhe. Als erstes wird der Normalo um 6 Uhr in der Frühe aufwachen, weil man ist den Tag vorher pünktlich eine Stunde nach Sonnenuntergang, d. h. so ca. um acht Uhr, in den Schlafsack gekrochen. Gibt im Dunkeln ja nicht allzu viel zu tun. Zehn Stunden Schlaf, Luxus mag der Laie denken. Nun, ganz so erholsam war die Nacht leider nicht.
Um sich zu akklimatisieren und um sein Blut dünn zu halten sollte man ab einer bestimmten Höhe Flüssigkeit in sich reinschütten ohne Ende. Dies hat dann blöderweise zur Folge, dass die ganze Nacht durch, so alle 3h die Blase nach Entleerung schreit. Also Stirnlampe auf, und die 30 m durch die Kälte zum Plumpsklo laufen. Sollte diese Örtlichkeit mal im Hause sein, so ist das ein seltener Glücksfall. Liegt man dann endlich wieder im Schlafsack und ist kurz vorm Eindösen wird der Zimmernachbar munter, der natürlich seinem ganz eigenem Rhythmus folgt. So hält man sich gegenseitig wach. Die Zimmer sind übrigens meistens mit zwei Betten bestückt.

Hat man das Glück und der Hausherr ist stolzer Hundebesitzer kommt man zusätzlich zur allgemeinen Klorennerei noch in den Genuß einer nächtlichen Bell- und Heulorgie. In ganz seltenen Fällen schleicht dann noch ein notgeiler Kater ums Haus auf der lautstarken Suche nach einer Gefährtin.
Soweit die Nacht, aber man gewöhnt sich an vieles. Es ist also sechs Uhr und man steht hungrig in der "Gaststube". Hier spielt sich das tägliche Leben in der Lodge ab, zumindest für die Touris. Meist sind einige Tische und Bänke um einen Holzofen gruppiert. Nepalis haben leider die dumme Angewohnheit, überhaupt nicht zu frühstücken. Stattdessen gibts um zehn eine Art "Brunch". Als Europaer beharrt man natürlich auf sein Frühstück und so gibt es erstmal Chapati mit Honig, Black Tea und zwei Eier können auch nicht schaden. Hurra, die Eier sind hartgekocht! Diesen Tag muß man sich keine Gedanken darüber machen, ob die Eier nun mit Salmonellen verseucht waren oder nicht. Dermassen beglückt erwacht der Bewegungsdrang und man stürmt den Rest des Vormittags auf irgendwelche Hügel, die um die Lodge gruppiert sind. Zwecks Aussicht und so.
Irgendwann um 11 Uhr meldet sich dann der kleine Hunger und man stellt im Geiste schon mal das Mittagsmenu zusammen. Tja, eine Rara-Noodle-Soup, weil da kann man nix falsch machen, dann noch eine Frühlingsrolle und natürlich Black Tea dazu. Okay hört sich gut an, also trägt man die Sache ins Order-Book ein und wagt sich damit in die Küche, um die Bestellung aufzugeben. Dort tritt einem sofort der Chef im Hause entgegen mit einem Blick, der einem sofort suggeriert, bis hierher und nicht weiter. In der Küche selber sitzt die Hausdame vor einer Feuerstelle und bereitet zwanzig verschiedene Sachen für zehn Gäste. Eine nicht zu unterschätzende Meisterleistung.
Der Nachmittag bricht an, die nähere Umgebung hat man schon ausgiebig erkundet. Was also tun? Nun, eigentlich die Gelegenheit, um sich mal wieder eine heiße Dusche zu gönnen und allgemein die Wäsche auf Vordermann zu bringen. Also geht man in die Küche und ordert eine "Hot Shower". Dies funktioniert dann meistens so, dass draußen irgendwo ein Häuschen rumsteht, auf dem Dach ist ein Kanister. Dort kommt das Wasser rein und per Schlauch hat man dann ein Rinnsal, mit dem man seine Körperschaft wieder in einen einigermaßen geruchsneutralen Zustand bringen kann. Die ganze Prozedur mag sich jetzt irgendwie abschreckend anhören, ist aber nach einer Woche Staub der Wahnsinn an Luxus!
Die Wäsche macht man gleich mit und hängt sie dann draußen in die Sonne. Nach einer Stunde wird man dann feststellen, dass es eigentlich gar nicht so warm ist, wie man zunächst angenommen hat, weil an seinem T-Shirt plötzlich Eiszapfen hängen und es auch sonst einen ziemlich steifen Eindruck macht.
Es ist jetzt so 15.00 Uhr, also höchste Zeit seinen Flüssigkeitshaushalt in Ordnung zu bringen, zwecks Akklimatisierung und so. Ein Big Pot of Black Tea muß also her, dass sind dann so ca. zwei Liter. Hier auf 4400 m muß man dafür ungefähr 180 Rupien, also so 5-6 DM hinlegen. Nun ja, es wird abend, man kann also schon langsam damit beginnen, das Abendmenu zusammenzustellen. Hm, Tomato Soup, Vegetable Steamed Momos und als Nachtisch eine kleine Herausforderung für den Magen-Darm-Trakt, ein Apple Pie.
Irgendwann fällt die Temperatur im Raum deutlich unter die Null-Grad-Grenze. Wenn dann alle Gäste die Daunenjacken zücken, ist das das Zeichen für den Chef den Ofen anzuwerfen. Verbrannt wird alles was irgendwie brennbar ist. Die Anzünd-Prozedur ist durchaus sehenswert, weil meistens eine Kanne Kerosin dazu verwendet wird. Ab und zu führt das dann zu einer meterhohen Stichflamme und der Hausherr kann sich mal wieder den nächsten Friseurbesuch sparen. Tja, den Rest des Abends verbringt man dann mit Spielen, Lesen, Geschichten erzählen, über andere Gäste lästern usw.
Irgendwann kurz vor acht kann man den Anblick von Bier, Chips, Marsriegeln und sonstigen Süßigkeiten, sauber aufgereiht in einer Glasvitrine nicht mehr widerstehen und gönnt sich etwas Heimatgefühle. Also ne Dose Pringels für 10 DM.
Am nächsten Tag ist dann die Zahlprozedur dran. Man schaut nach, was im Orderbook steht und rechnet sich selber aus, was man den so alles hatte. Überläßt man die Kopfrechnerei den Besitzern der Lodge kann sich die Zahlerei ewig hinziehen. Für ihre Fähigkeiten in Mathematik sind die Nepalis nun wahrlich nicht berühmt. Alles in allem ist das Leben in der Lodge spottbillig. Für so einen Akklimatisierungstag auf über 4000 Meter Höhe muß man inklusive zweier Übernachtungen so mit 30-40 DM rechnen. Vollpension versteht sich und das Bier ist auch schon dabei. Das Zimmer kostet dabei so 1 - 3 DM pro Nacht, für ein Drei-Gänge-Menu ist man mit fünf DM dabei. Frühstück alles in allem so drei DM. Weiter unten ist die Sache noch um einiges billiger.
All die Geschichten von dreckigen Betten, schlechtem Essen, usw. stimmen also nicht. Ganz im Gegenteil. Natürlich sollte man bedenken, dass es im Khumbu keine Straßen gibt und wirklich alles ins Tal getragen werden muß. Toiletten mit Spülung und sonstigen überhöhten Luxus sollte also keiner erwarten und ein bißchen Resistenz gegen Dreck braucht man als Trekking-Tourist sowieso. Sonst ist man im falschen Film.
Also auf geht's zur nächsten Lodge!

(2022: Rückwirgend muss ich sagen, eine leichte Dekadenz lese ich aus dem Text schon heraus. Schande über mich, verweichlichter Woidler ...)


Diashow


Alle Texte und Bilder so nicht anders vermerkt von Stephan Rankl



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