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Buchtipps

Nachdem ich sehr gerne lese, soll es hier auch ein paar Buchtipps geben. Kann ja doch sein, dass einem zwischen den Bergtouren oder auf der Hütte mal langweilig wird.

Abenteuer


Er ging voraus nach Lhasa.
Peter Aufschnaiter. Die Biographie.
Nicholas Mailänder
Tyrolia Verlag, 2. Auflage 2019

Das Buch vom Heinrich Harrer "7 Jahre in Tibet" muss ich wohl Besucher dieser Seite nicht vorstellen. Peter Aufschnaiter war der andere und an sich die treibende Kraft hinter dieser unglaublichen Flucht nach Lhasa. Das Peter Aufschnaiter dem Harrer die Veröffentlichung seines Buches nie verziehen hat, sagt wohl schon einiges über das Verhältnis der beiden zueinander aus, was wohl im wesentlichen durch die Umstände aufgezwungen war.
Peter Aufschnaiter war wohl ein klassischer Eigenbrötler und hatte eine Beamtenseele. Damit kam er wohl in so gut wie jeden politischen System dieser Welt zurecht. Ich mein, zuerst in der Nazi-Bürokratie mit leitender Position versehen, dann so eine Art Bauingenieur für das feudale System in damaligen Tibet vor Einmarsch der Chinesen. Schließlich als Entwicklungshelfer und Kartograph für Nepal und Indien tätig. So einen Lebensweg muss man erst mal hinbekommen.
Für mich zeigt das v.a., wir sehr man doch von den äußeren Umständen hinsichtlich seines Schicksals abhängig ist. Hätte Aufschnaiter nicht kurz vor Kriegsbeginn an einer Himalaya-Expediton teilnehmen dürfen, so hätte sein Leben als Mitglied des Nazi-Regimes wohl ganz andere Wendungen erfahren.

Solo durchs ewige Eis
Peter Aufschnaiter. Die Biographie.
Borge Ousland
National Geographic, Frederking & Thaler, 1. Auflage 2007

Borge Ousland ist ein norwegischer Abenteurer, der v.a. in den Polargebieten unterwegs war. So gelang ihm eine Durchquerung der Antarktis, sowie eine Überquerung des Polarmeeres von Russland über den Nordpol nach Kanada, jeweils solo und aus eigener Kraft (sofern man das Segeln mit Kites gelten lässt).
Seine Einstellung ist dabei etwas grenzwertig, "Erster oder gar nicht", soll heißen, so eine Expedition ist nur interessant, wenn man der Erste ist, der das jeweilige Unternehmen geschafft hat. Nun ja, das Buch liest sich ganz gut, Durchquerung der Antarktis kann man ja noch irgendwie nachvollziehen. Das Polarmeer ist dagegen halt doch ein Meer und es zu Fuß zu überqueren irgendwie sinnlos.
Nach der Lektüre weiß ich aber auch, ich will das nie selber machen müssen. Viel zu kalt.

Ein Coffee to go in Togo
Markus Maria Weber
Conbook Verlag, 5. Auflage 2017

Der "Weber" ist ein Unternehmensberater in Frankfurt. Der Job langweilt ihn, er will aussteigen. So weit, so vorhersehbar.
Als Schnapsidee fragt er sich, ob es eigentlich einen Coffee to go in Togo gibt? Daraus entwickelt sich eine Idee zu einer Radreise durch Osteuropa und Westafrika. Er geht die Sache mit einer bemerkenswerten Naivität an. Der Anfang des Buches ist dann auch der amüsanteste und lesenwerteste Teil. Als er endlich in Westafrika ankommt, beschränken sich seine Erlebnisse auf das Austesten von Körperfunktionen unter Drogeneinfluss. Sehr schade. Zum Glück fangt er sich am Ende wieder und das Buch findet zur Frühform zurück.
Insgesamt also ein Buch mit Schwächen, ab hey, Radreise, unbekanntes Westafrika, da kann man schon mal reinschmökern.


Bergbücher


On the Rocks - Leben an den Fingerspitzen
Stefan Glowacz mit Ulrich Klenner
Piper Taschenbuch - 2006

Für mich das beste Bergbuch überhaupt. Der Kletterer Stefan Glowacz ist ja in der "Szene" gut bekannt. Hier erzählt er von seinem Werdegang und Erlebnissen, und das auf eine Weise, bei der man mehrmals vor lauter Lachen unter dem Tisch liegt. Allein die Anekdoten zum Film "Schrei aus Stein" am Cerro Torre, zum Schreien! Mehr will ich nicht verraten.

Der 7. Grad. Extremstes Bergsteigen. Technik, Training, Erlebnis.
Reinhold Messner
BLV - 2. Auflage 1977

Als die Kletterskala nur bis 6 ging und der Messner auch noch Klettersteige machte. Eine ganz andere Zeit also. Der Reinhold darf in dieser Sammlung natürlich nicht fehlen. Im Buch geht es um seine frühen Jahre, als er noch ein überirdisch guter Kletterer war. Sehr spannend zu lesen. Typisch Messner aber, wenn er bierernst davon berichtet, wie er auf einem Dorffest dank überlegener Technik mit Fett eingeschmierte Baumstämme erklimmt.

Die Berge. Das Wetter. Mein Leben.
Karl Gabl
Tyrolia - 3. Auflage 2018

Der Karl "Charly" Gabl hat es als Wetterprophet der ZAMG Innsbruck doch zu einigen Ruhm gebracht. Kaum ein Expeditionsbericht in den Nuller-Jahren, in dem sein Name nicht vorkommt. Er gibt den ganzen Kletterstars Wettervorhersagen, wo auch immer sie sich gerade befinden und ist dabei wohl recht zuverlässig. Leider kommt genau dieses Können in seinem Buch viel zu kurz. Über diese Kunst hätte man gerne mehr gelesen.
Was man aber nicht weiß, er ist selber auch ein sehr guter Alpinist mit einigen tollen Expeditionen. Inzwischen hat man sich an den Alpenvereins-Wetterbericht so gewöhnt, man kann sich gar nicht vorstellen, dass es mal anders war. So erfährt man in dem Buch auch, wie das alles entstanden ist.

Alpensolo - Allein zu Fuß von Ost nach West
Ana Zirner
Piper-Verlag, 2018

Tja, es gibt so Bücher, die findet man beim Lesen nicht wirklich gut, teilweise muss man sich sogar ärgern. So ging es mir bei diesem Buch. Trotzdem hat es Eindruck hinterlassen und ist auf seine Art ein große Inspirationsquelle (siehe mein "Alpenprojekt").
Nun, wie der Titel schon sagt, die Autorin hat eine längere Wanderung durch die Alpen unternommen und dabei vorwiegend biwakiert. Nicht alles kann man nachvollziehen, manche Sachen findet man reichlich naiv und trotzdem kann man sich dem Geschriebenen schwer entziehen und lässt sich gedanklich gern auf eine Reise schicken. So ging es zumindest mir.

Alexander und Thomas Huber. Zwei Brüder, eine Seilschaft
Francois Carrel
Piper Verlag, 2017

Da wäre dann schon mal eine Biographie der Huberbuam und tatsächlich aus dem französischen übersetzt. Für mich persönlich waren die Herren quasi mein ganzes Kletterleben lang eine Inspiration, von daher kennt man so die groben Eckdaten. Trotzdem ein toller Überblick, der sich spannend liest. Ein paar Sachen wußte ich noch nicht, z.B. war der Alexander doch tatsächlich mal der beste Kletterer der Welt. Das hat er quasi schriftlich durch eine Eröffnung der damals schwersten Route weltweit am Schleierwasserfall im Kaiser.
Auch bedingt durch einen eigenen Unfall ist die Bewunderung für Thomas aber fast noch größer. Ein Stehaufmännchen. 16-Meter-Absturz mit Schädelbruch beim Abseilen, 5 Monate später schon wieder am Eiger. Das ist harte Arbeit, von der Couch aus geht das nicht. Und das war nicht der einzige Unfall ...


Biografien


Becoming
Michelle Obama
Goldmann

Die sehr interessante Biografie der Präsidentengattin. Den ersten Teil des Buches fand ich besonders spannend, hier geht es um ihre Jugend in Chicago. Man erfährt, was es heißt in Amerika zu leben. In allen Bereichen spielen Herkunft, Hautfarbe und Beziehungen eine dominante Rolle. Man ist quasi gezwungen, so mein Eindruck, ein riesiges Netzwerk aufzubauen, um in allen Lebenslagen einen Fürsprecher zu haben. Falls nicht, bleiben die Türen verschlossen.
Man kann sich auch gut in das Jahr 2008 zurückversetzen, als Barack Obama zum ersten Mal gewählt wurde und man tatsächlich die Hoffnung hatte, nun würde sich alles zum Guten wenden. Es kam anders. Michelle Obama ist hier sehr ehrlich und beschreibt den starren Apparat, der rund um den scheinbar mächtigsten Mann der Welt aufgebaut wurde. Auch wird der Verdacht bestättigt, dass es den meisten Personen im Politikbetrieb im Grunde nur um den reinen Machterhalt als Selbstzweck geht.

Hope Street
Campino
Piper, 2020

Eine schöne Idee, die der Sänger der Toten Hosen da hatte. Er verpackt eine kleine Biographie in eine Erzählung über seine Fußballleidenschaft, den Liverpool FC. Liest sich wirklich gut und witzig. Nachdenklich hat mich der Vergleich mit seinen Vater gemacht, der zog als 20jähriger für sechs Jahre in den Krieg, während Campino im gleichen Alter mit den Toten Hosen anfing. Wir sind da schon eine privilegierte Generation.
Auch in Sachen Reisen, mal eben für einen Abend nach Madrid fliegen, um ein Fußballspiel zu sehen? Kein Problem und am Samstag wieder nach Liverpool, vorher aber noch in der Wohnung in Berlin vorbeischauen. Aber das kann nicht der Normalzustand sein. Diese Einstellung müssen wir wohl alle überdenken.

Permanent Record
Edward Snowden
S. Fischer, 2019

Das ist nun für jeden der Internet nutzt, also mittlerweile wirklich jeder, absolute Pflichtlektüre. Es geht darum, was technisch an Überwachung möglich und auch genutzt wird. Edward Snowden gab 2013 sein Wissen über die Massenüberwachung durch den amerikanischen Geheimdienst preis, seither werden die technischen Möglichkeiten nicht weniger geworden sein. Ein echter Augenöffner.
Mir geht es dabei wie den Autor, ich wünsche mir das unschuldige Internet Anfang der Nuller-Jahre zurück. Ohne E-Commerce, Social-Media und den ganzen Kram.

What does this button do?
Bruce Dickinson
Heyne Verlag, 2017

Bekannt wurde Bruce Dickinson v.a. als Sänger von Iron Maiden. Rockstar allein war ihm zu langweilig, also wurde er noch Flugzeug-Linienpilot und hat auch sonst einiges erlebt. Viel zu erzählen also und dementsprechend liest sich das Buch, äußerst kurzweilig. Als an Musik interessierter hätte man allerdings noch gerne etwas mehr darüber erfahren, wie so eine Riesen-Band funktioniert.

Der Tastenficker: An was ich mich so erinnern kann
Flake
Schwarzkopf & Schwarzkopf Media

Flake, das ist der Keyboarder von Rammstein. Seit man das Frauenbild von dieser Band kennt, möchte man ja lieber Abstand halten. Aber nun gut ...
In diesem Buch geht es um diese Band aber quasi überhaupt nicht, sondern um das Leben davor. In einem unnachahmlichen Stil erzählt Flake von seinem Leben in der DDR und der ersten Band Feeling B. Er macht dabei, was ihm halt gerade einfällt und es soll halt Spaß machen. Er erzählt dabei so, als ob er neben einem sitzen würde, manchmal komplett irrsinnig, er schweift ab, plaudert über völlig nebensächliches, läßt sich einfach nur treiben. Trotzdem, oder gerade deswegen habe ich das Buch in einem Rutsch gelesen. Es macht einfach Spaß.

Kleine Welt, Grosser Traum
Frederik und Gerrit Braun
Atlantik Verlag, 2017

Es handelt sich bei den Autoren um die Gründer des Miniatur-Wunderlandes in Hamburg. Die Sache ist mehr oder weniger über Nacht als Idee entstanden. Vorher haben die beide eine Disco betrieben. Hätte eher gedacht, das hat sich so über die Jahre entwickelt. Aber nein, Kredit aufgenommen und losgebastelt. Eine wunderbare Geschichte. Literarisch sicher keine Höchstleistung, aber mit v.a. zum Schluss mit interessanter, wichtiger (linker) Botschaft. Lebe deinen Traum, aber nicht auf Kosten anderer.

Kleinhirn an alle
Otto Waalkes
Heyne Verlag, 2018

Als Kind der Achtziger hat man seine Sprüche damals auswendig gelernt. Otto war Grundwissen. Und meine Kinder lachen sich immer noch schlapp, über seine wohl zeitlosen Blödeleien. Die Biografie ist überraschend ernst. Als Pionier seines Fachs konnte er die Entwicklung der Medienlandschaft seit Anfang der Siebziger mitverfolgen und gestalten. Es ist auf alle Fälle sehr lesenswert, wie alles gekommen ist, wie es kam und wie viel Arbeit hinter all den an sich harmlosen Scherzen steckt.


Computer


Künstliche Intelligenz
Manfred Spitzer
Droemer TB, August 2025

Der Autor hat sich sehr viel Mühe gemacht und zeigt anhang von vielen Bespielen auf, wo KI in unseren Leben bereits selbstverständlich ist und wo die Reise hingehen könnte. Super fand ich die sehr anschauliche kurze Einführung in die der KI zugrundeliegende Methodik, den neuronalen Netzen. Diese Technik gibt es schon sehr lange, aber erst mit den Fortschritten in der Hardware waren die erstaunlichen Ergebnisse um das Jahr 2025 möglich.
Wie so oft werden auch bei der KI die Gewinne privatisiert und die Gefahren und Kosten auf die Gesellschaft umgelegt. Da besteht dringend Handlungsbedarf.


Garten


Schön wild! Attraktive Beete mit heimischen Wildstauden im Garten
Brigitte Kleinod und Friedhelm Strickler
Pala Verlag, 2018

Der Titel sagt alles. Wer also von seinem "Dealer", sprich dem nächsten Gartencenter loskommen will, dann könnte das hier eine Lösung sein. Es gibt eine schöne Übersicht, welche Stauden es mit welchem Boden und welcher Lage aushalten.

Rasen und Wiesen im naturnahen Garten
Ulrike Aufderheide
Pala Verlag, 2. Auflage 2016

Na, die Autorin hat definitiv den richtigen Namen. Es geht darum, dem Englischen-Rasen-Terror zu entfliehen, sprich sich vom perfekten Rasen zu verabschieden und andere Wege auszuprobieren. Ganz nebenbei erfährt man einiges darüber, wie Europa mal ausgesehen haben muss. Jedenfalls nicht so stark bewaldet, wie man im ersten Moment denken mag. Sonst wäre die heimische Artenvielfalt auf Blumenwiesen nicht erklärbar.

Das Wildpflanzen Topfbuch
Reinhard Witt
Naturgarten Verlag, Bestellung über www.reinhard-witt.de

Noch ein Buch zum Thema, wie werde ich unabhängig vom nächsten Gartencenter. Beim Autor Reinhard Witt muss man etwas vorsichtig sein, er pflegt schon einen sehr eigenwilligen Schreibstil. Dieses Buch ist aber gut lesbar, im Gegensatz zu anderen Veröffentlichungen von ihm.
Es geht darum, wie man Wildpflanzen draußen im Topf kultiviert und sich so einiges an Arbeit spart. Dazu gibt es viele Beispiele, ich werde es probieren.


Geographie


Die Macht der Geograhie
Tim Marshall
20. Auflage 2024, DTV

Auch hier ist der Kurztitel sehr aufschlußreich, "Wie sich Weltpolitik anhand von 10 Karten erklären lässt". Wir Menschen sind halt sehr territoriale Wesen und letztendlich kann man sehr viel unserer Verhaltensweisen auf die Verteidigung des jeweiligen Gebietes zurückführen. Im Großen, wie im Kleinen. Traurig, aber wahr. So schreibt der Autor, einen großen Krieg wird es zwischen Indien und China nicht geben, weil halt der Himalaya dazwischenliegt. Anders sieht es bei den Russen aus. Das mitteleuropäische Tiefland leitet quasi als Autobahn direkt nach Moskau. Und so wünscht man sich ein Gebirge herbei ...

Der Goldene Atlas
Edward Brooke-Hitching
2. Auflage 2019, DTV

Kurztitel auf der Buchrückseite "Wie die Welt bekannt wurde", das beschreibt das Buch ganz gut. Es ist absolut gelungen, anhand der beschriebenen Entdeckungsreisen mit Schwerpunkt ab Entdeckung von Amerika durch Kolumbus 1492 kann nachvollzogen werden, wie sich das geographische Wissen um die Welt nach und nach erweiterte. Das Beste dabei, der Autor hat jeweils ein zeitlich passende Weltkarte gefunden. Man sieht, wie die weißen Flecken langsam weniger werden und die Küstenlinien sich schließen.

Atlas der abgelegenen Inseln
Judith Schalansky
19. Auflage 2018, Mareverlag

Ein Buch zum Träumen. Vorgestellt werden wirklich abgelegene Inseln, rundherum nur ganz viel Wasser. Oft auch unbewohnt. Zu jeder Insel gibt es eine schöne Karte, so wie einem kurzen Text mit einer kurzen Anekdote aus der Geschichte der Insel, wenn man so will.
Am Anfang hätte ich mir noch viel mehr Informationen zu den Inseln gewünscht. Am Ende wußte ich, der nur kurze Text ist gerade richtig, weil so bleiben die Inseln geheimnisvoll und laden zu eigenen Nachforschungen ein. Hach, da zieht es einen unweigerlich in die Ferne ...


Geschichte


Nexus - Eine kurze Geschichte der Informationsnetzwerke
Yuval Noah Harari
2024, Penguin

Der Autor ist ja kein Unbekannter mehr und er schafft es mal wieder in nur einem Buch viele Zusammenhänge der Menschheitsgeschichte mit nur einem Überthema zu erklären. Wahrscheinlich ist es dann doch komplizierter, aber nun gut, es geht um Informationsnetzwerke und wie diese die Geschichte der Menschheit beeinflusst haben. Z.B. die Erfindung des Buchdrucks, ohne diesen hätte so ein Pamphlet eines einzelnen Spinners wie der "Hexenhammer" im Mittelalter wohl keine so größere Verbreitung gefunden und es wäre vielleicht nicht zu den massenhaften Hexenverbrennungen gekommen.
Unzweifelhaft stehen wir nun wieder vor einem Umbruch, der Autor gibt Beispiele, was die sozialen Medien mit ihren profitorientierten Algorithmen bereits angerichtet haben (Stichwort Völkermord Myanmar). Weiterhin gibt es noch einen Ausblick was uns dank KI alles erwarten könnte. Fazit, neue Wege um Informationen zu verbreiten sind immer wieder entstanden und wurden anfangs alle mißbraucht, bevor Selbstregulierungskräfte alles bändigen konnten. Dauert halt immer, das ist die schlechte Nachricht.

Macht euch die Erde untertan - Die Umweltgeschichte des Anthropozäns
Daniel R. Headrick
2020, wbg Theiss

Da zieht sich eine Spur der Verwüstung durch die Menschheitsgeschichte, man kann es nicht anders sagen. Der Autor gibt eine Übersicht über die globale Umweltgeschichte und spannt dabei den ganz großen Bogen von der Vorzeit bis heute. Das liest sich erschreckend, kann man nicht anders sagen. Wo die ersten Jäger auftauchten, verschwanden zuerst die großen Tiere, das Muster blieb sich immer gleich. Noch ein paar Beispiele? Innerhalb weniger Jahre hat man es geschafft, die Bisonherden mit Millionen Tieren auszurotten. Ein paar Jahrzehnte reichten, um die Walpopulationen zum Zusammenbrechen zu bringen. Kabeljau ist mittlerweile eine Seltenheit. Natürliche Resourcen (Wasser, Erde, Luft) wurden quasi immer für den kurzfristigen Überschuss ausgebeutet und beschädigt.
Wenn man mit dem Buch durch ist, hat man wenig Hoffnung auf Besserung. Nachhaltigkeit liegt nicht in unserer Biologie.
Begleitend kann man z.B. den Reisebericht von Charles Darwin mit der Beagle lesen und staunen, welch reichhaltige Natur im Vergleich zu heute, noch im 19. Jhdt. da war.

Die wahre Geschichte der Wikinger
Neil Price
2022, S.Fischer

Das ist eine umfassende Beschreibung der Lebensrealitäten im Wikinger-Zeitalter. Sehr aufschlussreich und fern von jeder Schönfärberei. Gutmenschen waren die Wikinger jedenfalls nicht. Sklavenhandel machte einen beträchtlichen Teil ihrer Aktivitäten aus. Dabei waren sie hochmobil. Reisen von Island nach Amerika und zurück, sowie weit nach Asien sind belegt (auch in einem Leben). Die Raubzüge machten dabei nur einen kleinen Teil aus, im echten Leben waren das vielleicht 2-3 Wochen unterwegs, bevor man sich wieder um den Alltag kümmerte.
Interessant in dem Zusammenhang finde ich auch die im Buch vorhandene Beschreibung, was es bedeutet, auch nur ein Wikingerschiff selber zu bauen. Dies wird am Beispiel eines Segels vorgerechnet. Interessant auch die Ausführungen zur Religion. Die nordische Mythologie ist eben vor allem das. So wird einem klar, warum die Herrscher der damaligen Zeit das Christentum bevorzugten. Es ist nun mal eine Gebotsreligion, die tief in das Leben der Gläubigen eingreit und sie damit manipulierbar macht.

Das Fahrrad - Eine Kulturgeschichte
Hans-Erhard Lessing
6. Auflage 2022, Klett-Cotta

Es hätte auch ganz anders kommen können. Das Fahrrad als erschwingliches Fortbewegungsmittel kam so zwischen Pferd und Auto auf. Dementsprechend empfanden es viele auch als die ganz große Freiheit. Ein Pferd war ja für den ganz großen Teil der Bevölkerung schlichtweg unerschwinglich.
Interessant auch, wie sich am Anfang Widerstand aus allen Richtungen formierte. Man kennt das ja, wenn was Neues Anlauf nimmt. Städte erließen Verbote, die Ärzteschaft warnte, die Kirche witterte eine Sünde. Interessant auch das Kapitel über radfahrende Frauen. Man erfährt viel über die Zeit um die Jahrhundertwende und wie sich eine Frau damals zu benehmen hatte. Ja, bei den Beschreibungen darf man sich durchaus an Zustände in manchen islamischen Ländern erinnert fühlen.
Wir sind also einen weiten Weg gegangen und man kann mal darüber nachdenken, was passiert wäre, wenn sich das Fahrrad als das Fortbewegungsmittel für die breite Masse durchgesetzt hätte. Aber dann kam das Auto und den Rest kennen wir ja ...

Die Himmelsscheibe von Nebra
Harald Meller, Kai Michel
6. Auflage 2019, Ullstein

Einer der aufregendsten Funde der letzten Jahre. Die Himmelsscheibe, ein Schatz aus der Bronzezeit, mit konkreter Darstellung des (Nacht)Himmels. Schon der Fund durch Raubgräber und anschließende Sicherstellung bei Hehlern in der Schweiz bietet eine schöne Geschichte.
Umso aufregender die Entschlüsselung des Rätsels, zu welchen Zweck die Scheibe wohl mal gedient haben mag. Das Buch liest sich also spannend wie ein Krimi und es ist einfach faszinierend, wie dieser Fund mit anderen verknüpft werden kann und sich dadurch ein völlig neues Bild unserer Vergangenheit ergibt. Gut, das Ergebnis wirkt allzu vertraut, aber gerade dadurch ergeben sich viele Verknüpfungen zu unserer heutigen Kultur und man stellt erstaunt fest, so viel weiter sind wir seit den 3600 Jahren, da die Scheibe vergraben wurde, nicht gekommen.

Hitlers Manager
Guido Knopp
2. Auflage 2007, Goldmann-Verlag, München

Es geht um die Verstrickungen von Herren wie Wernher von Braun, Hjalmar Schacht, Ferdinand Porsche, u.a. Alles hochbegabte Menschen, die sich von Hilters Regime ausnutzen ließen, oder war es umgekehrt?
Auf alle Fälle zu beider Seiten Vorteil. Zweifelslos hätten die Herren in jedem System dieser Welt Karriere gemacht, was sie teilweise auch bewiesen haben.
Nimmt man z.B. den "Vater der Raumfahrt" von Braun, aber eben auch Entwickler der V2, der "Vergeltungswaffe" der Nazis. Das eine ist ohne das andere nicht denkbar. Was wäre gewesen, wenn er im Dritten Reich spätenstens beim Einsatz von Zwangsarbeitern oder gar früher seinen Gewissen gefolgt wäre? Eine interessante Frage, über die sich auch in heutigen Zeiten nachzudenken lohnt.

Die Welt im Fieber
Laura Spinney
8. Auflage 2020, Hanser-Verlag, München

Zum Zeitpunkt, da ich es gelesen habe, 2020, ein richtig aktuelles Buch. Es geht um die spanische Grippe, deren Höhepunkt 1918 war. Richtig viel getan hat sich seit damals nicht viel, viele Sachen kommen einen in Corona-Zeiten sehr vertraut vor. Abstandhalten, Maske, Schulschließungen, usw.
Es war trotzdem eine andere Welt damals, die Lebenserwartung lag so bei 50 Jahren, Tuberkulose, Cholera, Pocken und Polio trieben ihr Unwesen. Bezeichnend finde ich die "Anekdote", als die USA versuchten ein Heer für den Weltkrieg aufzustellen, mussten die Verantwortlichen mit Erschrecken feststellen, wieviele der sicherlich jungen Rekruten aufgrund der vielen Gebrechen schlichtweg untauglich für den Kriegsdienst waren. Letztendlich war eine Folge der spanischen Grippe, dass sich unser Gesundheitssystem, wie wir es heute kennen, erst entwickeln konnte.

Wolfszeit
Harald Jähner
3. Auflage 2019, Rowohlt Berlin

Die Geschichte über den 2. Weltkrieg hört immer mit der Kapitulation auf. Aber damit war nicht schlagartig alles gut. Dieses Buch beleuchtet die unmittelbare Nachkriegsgeschichte von 1945 - 1955 und es ist sehr spannend zu lesen.
Nach Kriegsende befand sich alles in der Auflösung, Millionen Vertriebene und Entwurzelte zogen durch ein kaputtes Land. Von den 75 Millionen Menschen im Land, war rund die Hälfte nicht dort, wo sie hingehörte. KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter wurden befreit. Gut, und dann? Kaum zu glauben, dass es doch irgendwie gut ausging und das war alles andere als zwangsläufig.

Apollo 11
James Donovan
1. Auflage 2019, Random House

Es geht um das Apollo-Programm der Nasa, mit der Mondlandung als Höhepunkt. Richtig spannend an dem Buch sind dann allerdings nur die letzten 80 Seiten von gut 500. Der Autor holt richtig weit aus und erzählt die ganze Vorgeschichte, was auch gut so wäre. Nur leider konzentriert er sich dabei arg auf das Menschliche. Was die Astronauten in ihrer Freizeit so machten (man ahnt es) und welche Autos sie fuhren, will man eigentlich nicht über zig Seiten lesen müssen.
Hat man das überstanden, startet endlich der Mondflug und man bekommt doch noch ein paar Details serviert, die man so nicht wußte. Auch auf einige technische Details wird dann endlich eingegangen.

KL - Die Geschichte der Nationalsozialistischen Konzentrationslager
Nikolaus Wachsmann
2. Auflage 2018, Pantheon Verlag

Uff, die gesamte Geschichte der Konzentrationslager von den wilden Anfängen 1933 bis zum Ende 1945. Eingerichtet als Terror-Instrument gegen die eigene Bevölkerung wird der Weg bis hin zum Holocaust beschrieben. Das war nicht so zwangsläufig, wie es im Nachhinein erscheint. Es hätte viele Umkehrpunkte gegeben. Der Autor zeigt die grobe Linie auf, geht aber auch auf Einzelschicksale sowohl auf Opfer-, wie auch Täterseite ein.
Das ist harte Kost, umfassend, bewegend, erschütternd, lehrreich. Es zeigt, wie das Nazi-Regime funktionierte und wie eine Gesellschaft sich derart brutalisieren konnte. Heute unvorstellbar? Leider nicht ...

Der Archipel GULAG
Alexander Solschenizyn
Erstveröffentlichung 1973

Es geht um das Lagersystem in der Sowjetunion hauptsächlich zu Stalin-Zeiten. Man ahnt es, schön ist das nicht. Der Autor erzählt dabei die ganze Geschichte von der willkürlichen Verhaftung, der Zeit im Lager und der Entlassung in die Verbannung. Nicht einfach zu lesen, das geballte Unrecht erschlägt einen förmlich, aber halt doch ein wichtiges Stück Aufarbeitung europäischer Geschichte.


Science Fiction


Trisolaris - Die Trilogie
Cixin Liu
Heyne Verlag, 2022

Bei dem Buch habe ich lange überlegt, ob ich es hier aufnehmen sollen. Es hat fast 2000 Seiten und das Ende ist doch irgendwie enttäuschend. Es strotzt nur so vor Ideen mit dem andere Autoren 20 Bücher geschrieben hätten, dazwischen muss man sich aber auch über hunderte von Seiten durchbeißen, wo einfach nix passiert. Ursprünglich stammt es aus dem Chinesischen.
Es geht prinzipiell um eine Kontaktaufnahme mit Außerirdischen und dem anschließenden Plan einer Invasion. So weit erst mal nix neues, aber der Autor holt noch viel weiter aus und man glaubt gar nicht, wohin das Buch schließlich noch führt. Soweit ich das beurteilen kann, muss der Autor auch eine umfassende Ausbildung in Naturwissenschaften haben. Die Ein- und Ausblicke die er immer wieder liefert sind absolut inspirierend. Ein Buch für den ganz langen Strandurlaub.



Alle Texte und Bilder so nicht anders vermerkt von Stephan Rankl



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