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Diese Tour ist Teil eines größeres Projekts:
Übersicht "Fortgesetzt durch die Alpen"
Weiter zur 2. Etappe: Bad Tölz - Mittenwald
Entlang der Isar in die Alpen
| Fakten | |
|---|---|
| Ausgangspunkt: | München, Marienplatz (520m) |
| Höhenmeter: | |
| Zeit / Strecke: | 60 km |
| Route: | Radwege entlang der Isar |
| Anforderung: | Man kann einige Wurzelwege mit einbauen |
| Endpunkt: | Bad Tölz (650m) |
GPS
Dynamische Kartenansicht (benötigt Javascript)2019-09-27 Marienplatz-Isar-BadToelz.gpx (Download GPX-Datei)
Ausgangspunkt
München, Marienplatz (520m)
Einkehr
Entlang der Isar gibt es da einige Biergärten
Wegschreibung
München - Isartal - Wolfratshausen - Geretsried - Malerwinkel - Landstraße TÖL 7 - Bad Tölz
Charakter
Rad- und Waldwege wechseln ab. Man kann die Route aber beliebig kompliziert machen. Nach Geretsried wird es durchaus recht hügelig, direkt an der Isar kann man hier nicht mehr radeln.
Weitere Infos
-
Fortgesetzt durch die Alpen
Der einfachste und direkteste Weg von München in die Alpen, so man denn von neuzeitlichen Errungenschaften wie Autobahnen absieht, das ist die
Isar. Ein richtig alpiner Fluß, der bis München sein Geschiebe aus dem Karwendel mitführt.
Während andere Städte wie Paris oder Rom ihre Flüsse zu wenig mehr als Dreckwasser-Kanäle degradierten, hat München auf seine Isar (fast) immer
acht gegeben, oder es hat zumindest ein Umdenken eingesetzt. Es fanden in jüngster Zeit
zahlreiche Renaturierungen statt, so dass man nur wenige Kilometer die Isar aufwärts radeln muss, um der Natur wieder nah zu sein.
Meine erste Etappe auf den Weg in die Alpen, führte mich also durch das Isartal weiter durch die Voralpenschaft nach Bad Tölz, den Alpen-Nordrand.
Zuerst musste ich aber mal nach München kommen, ich wohne etwas westlich davon, im Speckgürtel. Durch den gilt es zu radeln und den vielen
Verkehr zu überleben. Je weiter Richtung Innenstadt, umso dicker die Autos und rücksichtsloser die Besitzer. München ist keine radfreundliche
Stadt.
Es war gerade Oktoberfestzeit. 10.30 Uhr am Morgen, als ich an der Theresienwiese vorbeikam. Die Massen drängten aus den Zügen und wanderten mit
Tracht und Bierflaschen bewaffnet, vorgeglüht zum Festplatz. Wenn man das menschliche Balzverhalten studieren will, dann dürfte es wohl keinen
besseren Ort geben. Vor dem Eingang zur Festwiese liegt ein Fahrradfahrer, ein anderer hat ihn förmlich "abgeschossen". Glück im Unglück für
den Verunfallten, einen
besseren Ort mit massenweise ausgebildeten Hilfskräften unmittelbar in der Nähe, gibt es in der Konzentration wohl sonst nur direkt in
Krankenhäusern.
Am Deutschen Museum erreiche ich schließlich die Isar. Südwärts geht es von nun an den Fluß aufwärts. Es dauert nicht lange und man fühlt sich
nicht wirklich so, als ob man in einer Großstadt unterwegs wäre. Das heißt, an dem Tag haben einige der Münchner Schulen Wandertag und ich muss
an einigen Klassen vorbei. Es scheint so, als ob jeder Mensch von Haus aus eine gespaltene Persönlichkeit quasi bei Grundinstallation mitbringt.
Jedenfalls macht man in der Gruppe Sachen, allein würde man niemals auf den gleichen Gedanken kommen. So darf ich am Vorbeiradeln die Faxen
der Schüler ertragen.
Der Flaucher ist Ende September wenig gefüllt, im Sommer verwandeln sich die Uferstreifen zum größten Grillplatz der Stadt. Dann hängen
apokalyptische Rauchschwaden über der Isar. Es geht noch am Zoo vorbei und man gelangt ins Isartal, dem bevorzugten Naherholungsgebiet für alle
sportlichen Münchner. Die Bäume stehen hier dicht bis zu den Kiesbänken am Wasser. Mountainbiker durchstreifen auf regelrechten Trails das
Unterholz. Das hat im Laufe der Zeit dramatisch überhand genommen, so dass mittlerweile durch diverse Maßnahmen versucht wird,
die Masse wieder auf die rechte Bahn zu geleiten.
Mittels der Grünwalder Brücke wechsele ich die Flußseite. Kurz darauf kommt man an den in Münchner Kletterkreisen gut bekannten Buchenhain
vorbei. Das Isartal ist dem Bereich von München Thalkirchen bis Schäftlarn durch das schrofe Isar Steilufer eingerahmt. Der Untergrund besteht
aus Konglomerat. Runde Kiesel welche der Fluß mit Schlamm zusammengebacken hat. Im Laufe der Zeit grub sich die Isar ihr Bett immer tiefer und
die ehemaligen Kiesbänke kommen nun als Steilwände wieder zum Vorschein. An einigen Stellen ist das sogar kletterbar und so haben die Altvorderen
der Münchner Kletterelite am Buchenhain ihren Klettergarten eingerichtet. Wahrscheinlich der miserabelste weltweit. Glatt polierte Kiesel mit
einer Art Sinter überzogen, kein guter Griff weit und breit, rutschig, brüchig, steinschlaggefährdet, gerne auch nass. Aber, wer hier gut
klettern kann, der klettert überall gut, weil überall anders der Fels besser ist.
Unweit davon findet sich mitten im Fluß der Georgenstein. Die Isar wurde früher zur Flößerei von Holz aus den Alpen verwendet und die
Stromschnellen am rund 5 Meter hohen Felsblock waren ein gefürchtetes Hindernis. Auch heute sind von Wolfratshausen bis Thalkirchen im Sommer
noch Flöße unterwegs. Allerdings zum Freizeitvergnügen, von Münchner Firmen bevorzugt gewählte Teamevents mit Saufgelagen und Musik dazu.
Jaja, der Mensch, ein seltsames Wesen.
Langsam aber sicher wird die Radfahrt an der Isar aber nun etwas einsamer, was auch gut ist, bevor ich noch auf mehr so komische Gedankengänge
über die menschliche Natur komme. Der Weg an der Isar entlang wird kurzfristig etwas unübersichtlich und vor allem gesellt sich ein sehr steiler
Anstieg hinzu. Dahinter rolle ich hinunter und lande in einem fantastischen Auwald, durchzogen von kleinen Bächen. Ein Specht hämmert nach
Futter. Vor Schäftlarn wird das Gelände wieder weitläufiger, ich radele auf einem Damm und staune nicht schlecht, überall blühen
Krokusse. Zum ersten Mal tauchen die Berge am Horizont auf, saftige Wiesen, eingerahmt vom Hochufer links und rechts. Hier steht das Kloster
Schäftlarn, Mönche hatte schon immer ein Gespür für besonders idyllische Flecken.
Die Isar ist immer wieder in den Altfluss und Seitenkanäle aufgeteilt, ich denke hauptsächlich, um die Wasserkraft nutzbar zu machen. Bei
Schäftlarn wird dies besonders deutlich. Das Gelände ist absolut eben und asphaltierte "Rennstrecken" laden zu sportlicher Betätigung ein.
Dementsprechend eifrig werden die Wege mit Fortbewegungsmitteln aller Art genutzt.
Das Isartal ist dabei gesäumt von Biergärten, welche sich reger Beliebtheit erfreuen. Ich stärke mich im Aujäger, einem Gasthof in der
Pupplinger Au nahe bei Wolfratshausen. Diese Stadt liegt nicht direkt an der Isar, man müsste einen Abstecher machen. Hinter Wolfratshausen,
also flussabwärts, mündet die Loisach in die Isar. Etwas weiter Richtung Berge liegt Geretsried. Man fährt dabei durch einen schönen Wald und
bekommt fast gar nicht mit, dass sich rechterhand die mittlerweile größte Stadt im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen befindet. Dabei hat
Geretsried eine interessante, noch recht "junge" Geschichte, die mit dem 2. Weltkrieg beginnt. In den Wäldern gab es zwei große, gut versteckte
Sprengstofffabriken, mit vielen Zwangsarbeitern. Die leerstehenden Baracken und Verwaltungsgebäude nutzte man nach dem Krieg, um
Heimatvertriebene unterzubringen.
Hinter, bzw. ich fahre die Isar hoch, also besser vor Geretsried wird das Gelände hügelig. Den direkten Weg an der Isar entlang wandert man
lieber. Ich weiche mit dem Fahrrad in den Wald daneben aus, welcher noch durch rechtwinklig angelegte asphaltierte Wege der ehemaligen
Nazi-Fabrik durchzogen ist. Dann wird es richtig steil und man erreicht den "Malerwinkel". Dieser Fleck heißt nicht umsonst so, man steht hoch
über den Isarufer und hat einen schönen Blick hinab auf den Fluß, der hier eine fotogene und sicherlich auch für Maler attraktive Schleife
macht.
Es geht hinab und man landet auf der Straße zwischen Königsdorf und Bad Tölz. Einen besseren Weg konnte ich nicht finden und so radele ich die
letzten Meter etwas missmutig wegen der vielen Autos nach Tölz. Die Stadt ist doch etwas verwinkelt und so finde ich mein vorab gebuchtes Hotel
nicht auf Anhieb. Ich drehe meine Schleifen, bis ich endlich auf die Idee komme, das mitgeführte GPS-Gerät zu nutzen. Es klappt und wenig später
entspanne ich im Hallenbad der Unterkunft. Hier hängt ein altes Bild von Bad Tölz. Ein paar Häuser, viel Wiese und dahinter
die Berge. Wie schnell die Zeiten sich doch ändern, heute zählt die Stadt fast 20000 Einwohner.
Eine schöne, informative Seite über die Isar:
www.isargeschichten.de
Nicht das ich es empfehlen möchte (der Schreibstil ist mir zu kitschig), aber in dem Buch von Johannes Wilkes "Das kleine Isar-Buch"
(Verlag Friedrich Pustet) findet sich doch das eine oder andere wissenswerte rund um die Isar.
Stephan unterwegs am 27.09.2019
Es ist das "neue" Rathaus, welches in den Jahren von 1867 - 1909 in drei Phasen errichtet wurde. Während des Krieges wurde es bei den Luftangriffen auf München 1944 nur leicht beschädigt.
Unter dem Turm führt ein Durchlass zum Tal. Heute beherbergt das Gebäude das Spielzeugmuseum.
Nun die Quizfrage, wo muss man hinlangen, um dem Glück in der Liebe nachzuhelfen?
Die "Salzstraßen" waren ein mitteralterliches Geflecht von Handelswegen, welche das begehrte Gut von den Abbaugebieten zu den größeren Städten brachten. Eine Route war zum Beispiel von Bad Reichenhall über München, Landsberg zum Bodensee.
Von 2000 - 2011 erfolgte deswegen eine Renaturierung, eine Neugestaltung, "naturnäher" oder was man sich halt darunter vorstellte. Der Isar wurde wieder Platz gegeben. Die charakteristischen Kiesbänke sind wieder sichtbar, die alpine Herkunft des Wassers ist wieder erlebbar. Ein gelungenes Projekt also, wie ich finde.
Heute gibt es noch Flossfahrten für Touristen. Von Wolfratshausen kann man sich dabei bis zur Flosslände in München beschaulich befördern lassen. Bayerisches Brauchtum wird dabei (im Übermaß) gepflegt, also Blasmusik und Bier. Okay, in erster Linie wird gesoffen und die Frage sei erlaubt, wozu braucht man dazu ein Floß? Kann man auch daheim im Keller machen.
Ein bisschen Wagemut gehört also auch dazu, wenn man den Klettergarten im Buchenhain besucht, wo einst die Münchner Kletterelite ihre Fähigkeiten schulte.
Die Römerstraße "Via Julia" von Salzburg nach Augsburg querte wohl beim Georgenstein die Isar. Aber auch der Übergang über den Brenner wurde bereits von Römern genutzt. Die "Via Raetia" folgte der Isar von Scharnitz bis Mittenwald, verlief dann aber über Partenkirchen entlang der Loisach und schließlich nach Augsburg.
Der Hügel auf dem die Kirche steht, ist der Kalvarienberg. Das ist eine andere Bezeichnung für die Passion Christi, welche dort anschaulich und detailreich dargestellt ist. Im Mittelalter war der früher "Höhenberg" genannte Hügel tatsächlich eine Hinrichtungsstätte.
Alle Texte und Bilder so nicht anders vermerkt von Stephan Rankl
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